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SOL-E

Entwicklung und Umsetzung einer solidarischen Energiegemeinschaft

Programm / Ausschreibung Smart Cities, Leuchttürme für resiliente Städte 2040, Leuchttürme für resiliente Städte 2040 - Ausschreibung 2022 Status laufend
Projektstart 01.04.2023 Projektende 31.03.2026
Zeitraum 2023 - 2026 Projektlaufzeit 36 Monate
Keywords Solidarität, Energiegemeinschaft, Energiearmut, Zugang zur Infrastruktur, Kooperative Entwicklung

Projektbeschreibung

AUSGANGSLAGE
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) erlaubt, Energie über Grundstücksgrenzen hinweg zu produzieren, speichern, verbrauchen und zu verkaufen - damit sind nun Energiegemeinschaften möglich. In Österreich sollen sie nicht nur die Energiewende unterstützen, sondern auch weitere ökologische, wirtschaftliche und sozialgemeinschaftliche Vorteile generieren. Mit Stand Mai 2022 sind in Österreich 14 Energiegemeinschaften in Betrieb und 34 in der Implementierungsphase. Explizit solidarisch ausgerichtete Energiegemeinschaften gibt es noch nicht. Diese könnten sozioökonomisch vulnerablen Gruppen die aktive Teilhabe an der Energiewende ermöglichen.

ZIELE UND INNOVATIONSGEHALT
Ziel des Projekts ist die pionierhafte Entwicklung einer solidarischen Energiegemeinschaft in der Stadt Graz. Die verschiedenen Möglichkeiten solidarischen Handelns (monetäre/nicht-monetäre Maßnahmen) in EEGs werden erörtert und im Rahmen des Projekts pilothaft erprobt. Mit dem Ziel den gemeinschaftlichen Eigennutzungsgrad zu optimieren und Solidarität auf unterschiedlichen Ebenen zu ermöglichen wird untersucht, wie unterschiedliche Gruppen optimal eingebunden werden können, und welche Auswirkungen sich durch die Zusammensetzung aus Produzent*innen, Prosument*innen und Konsument*innen sowie die Durchmischung bezüglich des sozioökonomischen Status der Mitglieder und hinsichtlich privatem / institutionellem Hintergrund ergeben.

ANGESTREBTE ERGEBNISSE BZW. ERKENNTNISSE
* Mindestens eine solidarische Energiegemeinschaft wird gegründet, durch partizipativ inklusive Organisationsentwicklung begleitet und dokumentiert

*Relevante Zielgruppen werden angesprochen und Erfahrungen für Kommunikation und Beteiligung abgeleitet. Der Prozess wird integral geführt und Methoden zur Partizipation von vulnerablen benachteiligten gemeinsam mit diesen auf Augenhöhe entwickelt, aufgezeigt und erprobt

*Solidarische Teilhabemodelle, Tarifmodelle und Maßnahmen werden entwickelt und getestet

*Beteiligungsmodelle und Vertragsvorlagen für Unternehmen, Mehrfamiliengebäude und Private zur Teilhabe bzw. Unterstützung von solidarischen Energiegemeinschaften werden erarbeitet

*Möglichkeiten von Sektorenkoppelung und Lastmanagement werden hinsichtlich Realisierungsmöglichkeiten und solidarischem Mehrwert überprüft und integriert

*Die Möglichkeiten solidarischer Finanzierungsmethoden wie Crowdfunding werden aufgezeigt und im Projekt exemplarisch erprobt

*Modelle für einen Österreich-weiten Roll-Out werden erarbeitet, der Roll-Out wird vorbereitet

*Leitfäden, Arbeitsmaterialen und Tools werden entwickelt und interessierten Gemeinschaften, Gemeinden und Wohnbauträgern zur Verfügung gestellt

Abstract

BASELINE
The Renewable Energy Expansion Act (EAG) allows energy to be produced, stored, consumed and sold across property boundaries - meaning that energy communities are now possible. In Austria, they are not only intended to support the energy transition, but also to generate further ecological, economic and social community benefits. As of May 2022, 14 energy communities are in operation in Austria and 34 are in the implementation phase. Explicitly solidarity-based energy communities do not yet exist. These could enable socio-economically vulnerable groups to actively participate in the energy transition.

GOALS AND INNOVATION
The aim of the project is the pioneering development of an energy community based on solidarity in the city of Graz. The different possibilities of acting in solidarity (monetary/non-monetary measures) in energy communities will be discussed and piloted within the project. With the aim of optimising the degree of collective self-use and enabling solidarity on different levels, it will be investigated how different groups can be optimally integrated and what effects result from the composition of producers, prosumers and consumers as well as the mixing with regard to the socio-economic status of the members and with regard to private/institutional background.

DESIRED RESULTS AND FINDINGS
* At least one solidarity-based energy community is founded, accompanied by inclusive participatory organisational development and documented.

*Relevant target groups are addressed and experiences for communication and participation are derived. The process is managed integrally and methods for the participation of socio-economically disadvantaged groups are developed, demonstrated and tested together with them.

*Solidarity-based participation models, tariff models and measures are developed and tested.

*Participation models and contract templates for companies, multi-family buildings and private individuals to participate in and support solidarity-based energy communities are being developed.

*Possibilities of sector coupling and load management will be examined and integrated with regard to realisation possibilities and solidarity-based added value.

*The possibilities of solidarity-based financing methods such as crowdfunding will be demonstrated and tested.

*Models for an Austria-wide roll-out will be developed, the roll-out will be prepared.

*Guidelines, working materials and tools are developed and made available to interested communities, municipalities and housing developers.

Endberichtkurzfassung

Einleitung

Projektziele, Hintergrund und Motivation

Das Projekt SOL:E startete im Jahr 2023 mit dem Ziel, in der Stadt Graz eine solidarische Energiegemeinschaft zu entwickeln und dabei praktische Erfahrungen über deren Gestaltung und Wirkungsweise zu sammeln. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Solidarität innerhalb von Energiegemeinschaften konkret gelebt und organisiert werden kann. Dazu sollten unterschiedliche Formen solidarischen Handelns – sowohl monetäre als auch nicht-monetäre – untersucht und im Rahmen eines Pilotprojekts erprobt werden. Das Projekt ging von der Arbeitshypothese aus, dass Energiegemeinschaften ein geeignetes Instrument darstellen, um Menschen für die Energiewende zu mobilisieren. Informierte und aktive Energienutzer:innen können sowohl Vorteile am Energiemarkt nutzen als auch einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Energiesystems leisten. Gleichzeitig bieten Energiegemeinschaften die Möglichkeit, auch vulnerable Gruppen stärker in die Energiewende einzubinden und ihnen Zugang zu deren Vorteilen zu ermöglichen.

Außerdem zeigte sich 2023, dass das Thema Energiegemeinschaften vor allem bei Eigentümer:innen von PV-Anlagen auf Interesse stößt, während reine Konsument:innen und insbesondere vulnerable Gruppen durch bestehende Zugänge und Kommunikationslogiken häufig nur unzureichend erreicht werden.

Vor diesem Hintergrund untersuchte SOL:E, wie unterschiedliche Gruppen optimal in eine Energiegemeinschaft integriert werden können und welche Auswirkungen die Zusammensetzung der Mitglieder hat. Dabei standen insbesondere die Rollen von Produzent:innen, Prosument:innen und Konsument:innen sowie die Durchmischung hinsichtlich sozioökonomischen Status und institutionellem oder privatem Hintergrund im Fokus. Ziel war es zu verstehen, wie sich diese Faktoren auf gemeinschaftliche Energienutzung, Beteiligungsformen und das Verständnis von Solidarität innerhalb der Gemeinschaft auswirken.

Das Projektkonsortium setzte sich aus der Caritas und der Diözese Graz-Seckau, der Energie Agentur Steiermark, AVL, der Agentur scan sowie AEE INTEC als Projektleitung zusammen. Für die Caritas der Diözese Graz-Seckau bestand ein zentrales Interesse darin zu untersuchen, inwieweit Energiegemeinschaften geeignet sind, ihre Klient:innen zu unterstützen und insbesondere vulnerable Gruppen sinnvoll einzubinden.

Auch für die Diözese Graz-Seckau ergaben sich aus dem Projekt wichtige Perspektiven. Sie steht vor unterschiedlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Erhaltung und Nutzung ihres umfangreichen Gebäudebestands, der größtenteils unter Denkmalschutz steht. Neue gemeinschaftliche Lösungen für die Energieversorgung sind daher von großer strategischer Bedeutung. Gleichzeitig orientiert sich die Diözese an Nachhaltigkeitszielen, die unter dem Begriff der „Schöpfungsverantwortung“ sowohl den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen als auch Fragen von Teilhabe und Verteilungsgerechtigkeit umfassen. Vor diesem Hintergrund bot das Projekt die Möglichkeit, solidarische Ansätze der Energieversorgung zu erproben und weiterzuentwickeln.

Die Ausschreibung zur Entwicklung einer solidarischen Energiegemeinschaft stieß daher von Beginn an auf großes Interesse. Sie eröffnete die Chance, Fragen einer effizienten und nachhaltigen Energieversorgung mit organisationsinternen Werthaltungen sowie mit sozialökologischen und sozialökonomischen Fragestellungen zu verbinden. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Wissensstände in den beteiligten Organisationen sowie einer dynamischen Entwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen bot das Forschungsprojekt die Möglichkeit, das Thema Energiegemeinschaften anhand eines konkreten Pilotprojekts praxisnah zu erschließen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse auch für eine breitere Öffentlichkeit im Umfeld der Organisationen sichtbar zu machen.

Darüber hinaus fügte sich das Projekt gut in laufende Kirchenentwicklungsprozesse ein, die auf eine stärkere Beteiligung und Partizipation von Betroffenen und Engagierten abzielen. Das Projekt bot somit auch einen Rahmen, um Dialog- und Entwicklungsprozesse unter breiter Einbindung unterschiedlicher Akteur:innen zu gestalten und wissenschaftlich zu begleiten. Die Zusammenarbeit von Einrichtungen und Unternehmen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen ermöglichte es, verschiedene Perspektiven einzubringen und gemeinsam Lernerfahrungen für die Entwicklung solidarischer Energiegemeinschaften zu sammeln.



Was hat SOL:E erreicht?

Im Rahmen des Projekts SOL:E konnten mehrere zentrale Ergebnisse erzielt werden. In einem pilothaften Entwicklungsprozess wurde die Bürgerenergiegemeinschaft BEG Augustinum gegründet und damit ein konkretes Praxisbeispiel für die Umsetzung solidarischer Ansätze in Energiegemeinschaften geschaffen.

Die BEG Augustinum ist als solidarisches Modell konzipiert, das die gemeinschaftliche Nutzung von erneuerbarem Strom mit einem gemeinwohlorientierten Zweck verbindet. Ein Teil der Erlöse bzw. Einsparungen wird dem Schulsozialfonds gewidmet. Dieser unterstützt Schüler:innen und Familien in finanziell schwierigen Situationen und leistet damit einen konkreten Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit und sozialem Ausgleich im Umfeld des Campus Augustinum. Die solidarische Zweckwidmung zugunsten des Schulsozialfonds ist dabei eine mögliche Form, wie Solidarität im Rahmen der Energiewende und von Energiegemeinschaften praktisch verankert werden kann. Im Projekt wurde zugleich deutlich, dass darüber hinaus weitere Modelle möglich sind – etwa Energiespenden, Energiepatenschaften, sozial gestaffelte Beiträge oder Kooperationen mit sozialen Trägern. Diese Modelle und Tools zur Umsetzung werden in den folgenden Kapiteln näher beschrieben.

Die im Sommer 2025 durchgeführte Online-Befragung mit rund 160 Personen aus dem Umfeld des Campus Augustinum zeigt eine sehr positive Resonanz auf das Projekt. Die BEG Augustinum wird mehrheitlich als passend zum Profil und zur Weiterentwicklung des Campus wahrgenommen. Besonders stark ist die Zustimmung dort, wo Energiewende, Innovation und sozialer Mehrwert zusammenkommen.



Abbildung X: Die BEG Augustinum als Praxisbeispiel für die solidarische Ausgestaltung einer Bürgerenergiegemeinschaft: Zielsetzung, Funktionsweise, Nutzen und organisatorische Logik im Überblick.





Darüber hinaus trug das Projekt dazu bei, die Photovoltaik-Initiative der Diözese Graz-Seckau anzustoßen und damit zusätzliche Impulse für den Ausbau erneuerbarer Energie innerhalb der kirchlichen Strukturen zu setzen.

Ein wesentliches Ergebnis des Projekts war außerdem, das Thema Solidarität im Kontext von Energiegemeinschaften stärker in die gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu rücken. Durch verschiedene Veranstaltungen, Workshops und Fachbeiträge wurde Wissen zu Energiegemeinschaften sowie zu Fragen der Solidarität im Energiebereich – insbesondere im Zusammenhang mit Energiearmut – vermittelt und diskutiert. Auf diese Weise konnte ein breiter Wissenstransfer stattfinden und das Bewusstsein für sozial gerechte Aspekte der Energiewende gestärkt werden.

Innerhalb der beteiligten Organisationen, insbesondere der Caritas und der Diözese Graz-Seckau, trug das Projekt wesentlich dazu bei, ein besseres Verständnis für Energiegemeinschaften und deren Potenziale zu schaffen. Gleichzeitig wurden neue Kooperationen initiiert: So entstand im Rahmen von SOL:E eine Zusammenarbeit zwischen der Caritas Steiermark und der Initiative Robin PowerHood .

Neben diesen institutionellen und gesellschaftlichen Effekten wurden auch konkrete methodische und technische Grundlagen erarbeitet. Im Projekt wurde eine Toolbox für solidarische Energiegemeinschaften entwickelt, die Organisationen und Initiativen bei der Umsetzung entsprechender Modelle unterstützen soll. Darüber hinaus entstanden Werkzeuge zur Berechnung und Simulation von Energiegemeinschaften, die eine fundierte Planung und Bewertung unterschiedlicher Szenarien ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Menschen aus vulnerablen Zielgruppen für Energiegemeinschaften erreichbar gemacht werden können. Das Projekt untersuchte daher gezielt Möglichkeiten und Ansätze, um diese Gruppen besser anzusprechen und ihre Beteiligung an gemeinschaftlichen Energieprojekten zu fördern. Die Ergebnisse dazu wurden in einem Leitfaden zusammengefasst und an Akteure vermittelt.

Methodik

Die Ziele des Projekts SOL:E wurden durch einen praxisorientierten und partizipativen Ansatz verfolgt. Zentrales Element der Methodik war die pilothafte Entwicklung und Gründung einer solidarischen Energiegemeinschaft. Anstatt ausschließlich theoretische Konzepte zu erarbeiten, sollte der Ansatz direkt in der Praxis erprobt werden. Dabei war vorgesehen, relevante Stakeholder möglichst frühzeitig in den Entwicklungsprozess einzubinden und den Aufbau der Energiegemeinschaft in einem offenen, partizipativen Prozess zu gestalten.

Zu Beginn des Projekts arbeitete das Projektteam grundlegende Fragestellungen aus, etwa wie vulnerable Gruppen sinnvoll an Energiegemeinschaften teilhaben können und welche Formen solidarischer Unterstützung innerhalb solcher Gemeinschaften möglich sind. Darauf aufbauend wurde ein umfassender Kommunikations- und Beteiligungsprozess gestartet. Dieser richtete sich sowohl an interne Projektpartner als auch an unterschiedliche externe Zielgruppen, darunter vulnerable Gruppen, allgemein Interessierte an Energiegemeinschaften, Konsument:innen, Prosument:innen, potenzielle Investor:innen sowie weitere Unterstützer:innen.

Im Rahmen dieses Prozesses wurden Stakeholderanalysen durchgeführt, Workshops und Gespräche organisiert und gezielt mit Vertreter:innen vulnerabler Gruppen gearbeitet, um deren Perspektiven und Bedürfnisse in die Projektentwicklung einzubeziehen. Ergänzend dazu wurden sozialwissenschaftliche Analysen durchgeführt, um soziale und organisatorische Rahmenbedingungen besser zu verstehen, Motivlagen unterschiedlicher Zielgruppen zu erfassen, das Roll-out zu unterstützen und einen Proof of Concept für die konzipierte BEG Augustinum zu erarbeiten. Parallel dazu untersuchte das Projekt auch technische und infrastrukturelle Voraussetzungen, beispielsweise durch Studien zu verfügbaren Flächen für erneuerbare Energieanlagen.

Ein weiterer methodischer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung digitaler Werkzeuge. Im Projekt wurden begleitend Open-Source-Tools entwickelt, die den Aufbau und Betrieb einer Energiegemeinschaft unterstützen. Diese Werkzeuge ermöglichen unter anderem Modellierungen für ein schrittweises, organisches Wachstum der Gemeinschaft. Gleichzeitig helfen sie dabei, unterschiedliche Szenarien hinsichtlich Solidarität, Verteilungsgerechtigkeit und gemeinschaftlicher Energienutzung zu analysieren. Auf diese Weise konnte untersucht werden, wie Energiegemeinschaften sinnvoll zusammengesetzt werden können – etwa im Zusammenspiel von Produzent:innen, Prosument:innen, Konsument:nnen, Investor:innen und insbesondere auch Mitgliedern aus vulnerablen Zielgruppen.

Auf Grundlage dieser vorbereitenden Analysen und Beteiligungsprozesse wurde im Verlauf des Projekts schließlich eine solidarische Energiegemeinschaft aufgebaut, formal gegründet und in Betrieb genommen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen, Erkenntnisse und praktischen Lösungsansätze wurden systematisch dokumentiert. Sie stehen nun in Form von Leitfäden, Arbeitsmaterialien und digitalen Tools zur Verfügung, um die Umsetzung solidarischer Energiegemeinschaften auch über das Projekt hinaus zu unterstützen und eine Anwendung in ganz Österreich zu erleichtern.

Projektergebnisse



Begriffsbestimmung Solidarität

Solidarität bedeutet im Projektkontext Involvierung von vulnerablen Personengruppen, gegenseitige Unterstützung und gerechte Verteilung von Ressourcen. Solidarische Energiegemeinschaften verfolgen daher folgende Ziele:



Berücksichtigung der Gerechtigkeitsdimensionen: Verfahrensgerechtigkeit (niederschwelliger Zugang), Verteilungsgerechtigkeit (Reduktion ökonomischer Ungleichheit), Anerkennungsgerechtigkeit (Berücksichtigung unterschiedlicher Ausgangslagen).





Gemeinschaftsbewusstsein: Mitglieder handeln nicht nur für den eigenen Vorteil, sondern für das gemeinsame Ziel unter Berücksichtigung der obenstehenden Gerechtigkeitsdimensionen.





Empowerment: Teilhabe befähigt Menschen, ihre Energieversorgung aktiv mitzugestalten und macht sie handlungsfähig, sich an der Energiewende zu beteiligen.





Solidarität in Energiegemeinschaften

Im Kontext von Energiegemeinschaften bedeutet Solidarität die Einbeziehung und Förderung von unterstützungswürdigen Mitgliedern (z.?B. Haushalte in Energiearmut –lt. Energiearmutsdefinitionsgesetz/EnDG).



Offene Mitgliedschaft: Zugang für Menschen aller sozialen und finanziellen Lebenslagen





Reduktion ökonomischer Hürden: z.?B. durch vergünstigte Tarife, Solidaritätsfonds/ Kautionsfonds, Energiespenden





Bildung und Bewusstseinsbildung: niederschwellige Information, Energie(spar)beratung, Kooperation mit Schulen, Netzwerk mit Beratungsstellen zur Energiearmutsthemen





Mitbestimmung: niederschwellige, demokratische Entscheidungsprozesse, die vulnerablen Gruppen die Mitsprache ermöglichen





Niederschwelliger Zugang: einfache Beitrittsprozesse, Unterstützung durch soziale Träger beim Beitritt und beim Verstehen der Abwicklung



Wie wird Solidarität praktisch verankert?



Solidarische Zweckwidmung von Erträgen im Sinne des Gemeinwohls (z.?B. Schulsozialfonds bei BEG Augustinum)





Energiespenden und Energiepatenschaften (Beispiel: Robin Powerhood)





Sozial gestaffelte Mitgliedsbeiträge und Tarife





Delegation von Beitritts- und Monitoring-Aufgaben an fähige Mitglieder oder soziale Organisationen





Kooperation mit sozialen Trägern (Caritas, Pfarren) als Zugangsrutsche für einkommensschwache Haushalte (Bsp. Caritas Kooperation mit Robin Powerhood “Energiespenden gegen Armut”)



Mehr dazu findet sich im Bericht Solidarische Energiegemeinschaften: Zielgruppen, Kriterien und Lösungsansätze .





Begriffsbestimmung Energiearmut

Innerhalb der Projektlaufzeit wurde das österreichische Energiearmutsdefinitionsgesetz (EnDG) erlassen, das erstmals einen verbindlichen Rahmen zur Definition und statistischen Erhebung von Energiearmut in Österreich festlegt. Es definiert, wann ein Haushalt als energiearm gilt und bietet damit auch eine brauchbare Grundlage für die Feststellung von Unterstützungswürdigkeit im Kontext solidarischer Energiegemeinschaften. Die im Forschungsprojekt überlegten Zielgruppenparameter decken sich weitgehend mit der Definition des EnDG.

Definition lt. EnDG: § 4.“Als energiearm gelten jene Haushalte, die die notwendigen Mittel für Ausgaben für Haushaltsenergie (Strom, Heizung, Warmwasser, Kälte, Kochen, Beleuchtung, Betrieb von Haushaltsgeräten) für ein grundlegendes und angemessenes Maß an Lebensstandard und Gesundheit nicht oder nur unzureichend selbst aufbringen können.”

Als Nachweis der Unterstützungswürdigkeit lt. EnDG gilt u.a. die Befreiung des ORF-Beitrags, der Erhalt einer Ausgleichszulage (Mindestpension), oder auch der Erhalt von Leistungen aus Wohnbeihilfe, Sozialhilfe oder sonstigen öffentlichen Mitteln wegen sozialer Hilfsbedürftigkeit – bzw. bei Nichtvorliegen solcher Nachweise der Nachweis durch einen Transparenzdatenbankauszugs durch Förderabwicklungsstellen, oder den Nachweis eines ausreichend niedrigen Haushaltseinkommens durch Prüfung über die ORF-Beitrags Service GmbH (§8 Nachweis der Unterstützungswürdigkeit, §9 Prüfung der Einkommen, §10 Verfahren).



Besonders von Energiearmut betroffen sind lt. Statistik Austria einkommensschwache Haushalte, Alleinerziehende, erwerbslose Personen und Mieter:innen in unsanierten Wohnungen.

Eine Energiegemeinschaft mit solidarischem Anspruch kann die Unterstützungswürdigkeit zusätzlich durch weitere Parameter erweitern oder eingrenzen. Z.B. Fokus auf Alleinerziehende, die Wohnbeihilfe beziehen.



Feststellen der Unterstützungswürdigkeit

In der praktischen Organisation solidarischer Energiegemeinschaften sollte die Einkommenssituation der teilnehmenden Haushalte überprüft und wirtschaftlich bewertet werden, um festzustellen, wie viele Haushalte in welcher Form (z.?B. begünstigter Tarif, Kautionsfonds, Spendenunterstützung) in die Energiegemeinschaft aufgenommen und gefördert werden können. Eine solche Prüfung ist aufwendig und kann für die Betroffenen mit Scham verbunden sein. Daher wird empfohlen, mit sozialen Trägerorganisationen zusammenzuarbeiten, über die auch weitere Unterstützungsleistungen zur Stabilisierung des Haushaltseinkommens vermittelt werden können. Alternativ kann bei der Aufnahme die Vorlage einzelner Nachweise, wie etwa einer OBS-Befreiung, vorgesehen werden.

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Wie kann diese Zielgruppe erreicht werden?

Im Projektkontext richten wir den Blick auf jene breit gefasste Zielgruppe, deren Zugang zur Beteiligung an Maßnahmen der Energiewende aufgrund finanzieller, psychosozialer oder gesundheitlicher Gründe erschwert ist, also insbesondere auf energiearme Haushalte.



Ergebnisse der Fokusgruppen:

Die Ergebnisse der von uns durchgeführten Fokusgruppen, bestehend aus Teilnehmenden von Beschäftigungsprojekten, zeigen hinsichtlich ihres Interesses an solidarischen Energiegemeinschaften Folgendes:





Kostenreduktion als Hauptargument: Die angesprochene Zielgruppe verfolgt primär das notwendige Ziel, ihre Haushaltskosten zu senken. Der Umweltaspekt ist eher nebensächlich.





Vertrauen in das Angebot und die Niederschwelligkeit der Information sind entscheidend, um das Interesse an solidarischen Energiegemeinschaften zu wecken.





Viele Personen glauben fälschlich, dass eine PV-Anlage für eine Teilnahme nötig ist und fühlen sich daher nicht als Zielgruppe (solidarischer) Energiegemeinschaften.





Gewünscht werden:





Konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen





Beispiele für Mieter:innen von Wohnungen





bekannte Anlaufstellen (z.?B. Caritas, Gemeinde)





kurze Erstinformationen (z.B. ein Blatt, bildhaft, mit Rechenbeispielen „Was spare ich?“)





Online-Formate (YouTube, Social Media)





ein One-Stop-Shop mit Karte offener Energiegemeinschaften und Ersparnis-Kalkulator





unverbindliche Beratungsmöglichkeit im vertrauten, lokalen Umfeld mit niederschwelligem Zugang.



Handlungsempfehlungen zur Erreichung der Zielgruppe:



Vertrauenswürdige Bezugspersonen als Zugangshelfer:innen: Die Zielgruppe wird durch die bisher üblichen Informationskampagnen nicht ausreichend erreicht. Selbst wenn Informationen ankommen, bestehen weiterhin erhebliche Verständnishürden und somit eine gewisse Skepsis gegenüber Energiegemeinschaften. Von vertrauenswürdigen Bezugspersonen, zu denen bereits eine stabile Vertrauensbeziehung besteht und bei denen positive Unterstützungserfahrungen vorliegen, werden allerdings Informationen und Empfehlungen von der Zielgruppe angenommen. Gute Beteiligungschancen sehen wir etwa bei Personen, die bereits mit einer Sozialberatung in Kontakt sind, dort Unterstützung erhalten haben und anschließend beim Beitritt zu einer solidarischen Energiegemeinschaft begleitet oder für den Bezug von Energiespenden vorgeschlagen werden. Weitere vertrauenswürdige Multiplikator:innen können auch Schulen oder Gemeinden sein.





sichtbares Anbieten der Teilnahme an Energiegemeinschaften ohne eigene PV-Anlage (z.?B. „Beziehe x?% deines Stroms günstiger aus der Gemeinschaft; dein bestehender Liefervertrag bleibt. Kein Versorgungsrisiko.“)





klare Kostenvorteile aufzeigen





niederschwellige Kommunikation; einfache Sprache; persönliche Ansprache





Kontaktmöglichkeiten mit lokalem Bezug weitergeben; niederschwellige Anlaufstellen



Mehr Details dazu sind im Leitfaden zur Involvierung der vulnerablen Zielgruppe enthalten.



Teilhabemodelle für solidarische Energiegemeinschaften

Im Projekt SOL:E haben wir 13 Beteiligungsmodule (siehe Bericht Teilhabemodelle solidarischer Energiegemeinschaften ) definiert, die sich je nach Zusammensetzung zu einzelnen Beteiligungsmodellen formen lassen. Sie sind nach den folgenden Ressourceneinsätzen gegliedert:



Stromüberschuss





Flächen/Infrastruktur





Zeit





Wissen





Investment/finanzielle Mittel





zu teilende Güter (shared commons).



Im Projektzeitlauf hat sich gezeigt, dass sich für die vulnerable Zielgruppe diejenigen Module mit folgenden Ressourcen eignen:

Solidarischer Einsatz von Stromüberschuss (Modul 9)

Produzierende Mitglieder speisen einen prozentuell festgelegten Überschuss als Spenden für unterstützungswürdige Haushalte in die solidarische Energiegemeinschaft ein (Beispiel: Caritas & Robin Powerhood – Stromspenden). Wenn Stromüberschuss kostengünstig oder als Spende weitergegeben wird, kann die begünstigte Zielgruppe davon direkt profitieren. Dies kann durch aktive Beteiligung mit dem eigenen Zählpunkt direkt oder indirekt über eine soziale (gemeinnützige) Institution geschehen. Vertiefend hierzu die Variante:

Soziale Institution als aktives Mitglied mit Multiplikatorfunktion (Modul 1b)
Eine Schule, eine Gemeinde, ein sozialer Träger oder eine gemeinnützige Einrichtung ist aktives Mitglied, bezieht/produziert Strom und widmet Erträge einem solidarischen Zweck (z.?B. Sozialfonds) bzw. im Sinne des Gemeinwohls. Die Institution wirkt vertrauensbildend und als Drehscheibe für Zugang und Information. (Beispiel: BEG Augustinum – Überschüsse bzw. Erträge fließen in den Schulsozialfonds.)

Solidarische Finanzierung ohne aktive Beteiligung (Modul 9)
Spenden (z.B. Weitergabe des „Strombonus“ oder monetäre zweckgewidmete Spenden/ Energiepatenschaften) werden an bedürftige Haushalte oder soziale Einrichtungen weitergegeben. Das spricht die Fokusgruppen-Logik „Kosten senken– sofort spürbar“ direkt an. Energiegemeinschaften können beispielsweise mittels eines Spendenkontos diese Möglichkeit eröffnen und hierbei die Verantwortung für die gerechte Verteilung der Spenden übernehmen. Oder:

Solidarische Finanzierung mit aktiver Beteiligung (Modul 8)
Mitglieder übernehmen Beitritts- oder Infrastrukturkosten anteilig (oder sozial gestaffelt) über einen internen Kautions- oder Solidarfonds, um Einstiegshürden für unterstützungswürdige Mitglieder zu senken. Das kann zum Beispiel ein Energiekautionsfonds oder ein Härtefallfonds mit festgelegten Rahmenbedingungensein. Die Mitglieder der Energiegemeinschaft stimmen einem Beitrag in festgelegter Höhe zu, den sie entweder initial oder laufend für einen Kautions- oder Solidarfonds einlegen.

Einsatz von Humanressourcen (aktive und passive Beteiligung) (Modul 12)
Das Onboarding geschieht durch Begleitung der Zielgruppe durch Mitglieder/Träger/externe Unterstützer:innen. Das betrifft zum Beispiel die Unterstützung bei Anmeldung, Ablaufklärung, Abwicklung, Monitoring, Peer-to-Peer-Energiesparberatung oder Übersetzung/leichte Sprache. Je nach Organisationsform und den verfügbaren Ressourcen der Betreibenden kann ergänzend ein Buddysystem eingesetzt werden, bei dem neuen Mitgliedern eine Ansprechperson aus der Energiegemeinschaft für Detailfragen und eventuelle Unsicherheiten zur Seite gestellt wird.

Zur Förderung des Gemeinschaftssinns können kleinere, lokale Energiegemeinschaften gezieltes Matchmaking von Humanressourcen ihrer Mitglieder fördern. Sofern die Mitglieder in räumlicher Nähe zueinander leben und es einen gemeinsamen Kommunikationskanal gibt, kann die nachbarschaftliche Vernetzung ein weiteres solidarisches Element darstellen. Beispiele wären das Teilen von Gütern oder der Austausch von zeit- oder wissensgebundenen Leistungen.

Solidarischer Einsatz von Sachleistungen (Modul 4)

Flächen, Speicher, PV-Module, Balkonkraftwerke u.Ä. können solidarischen Energiegemeinschaften zur Verfügung gestellt werden und die daraus entstehenden Ersparnisse oder anteilige Erträge für begünstigte Mitglieder zweckgewidmet werden.

Eine vollständige Aufstellung der solidarischen Teilhabemodelle finden Sie auf www.sol-e.at.



Bewertungskonzept @EAS

Das Excel Tool zur Selbsteinschätzung von Energiegemeinschaften bezüglich ihrer Solidarität ist unter www.sol-e.at zu finden.



Welche Teilhabemodelle können in bestehende EGs verankert werden?

Im Laufe der Projektzeit wurde zunehmend deutlich, dass Solidarität nicht nur bei der Gründung neuer Energiegemeinschaften mitgedacht werden sollte, sondern auch in bereits bestehenden Energiegemeinschaften verankert werden kann. Diese Perspektive gewann vor dem Hintergrund des starken Wachstums des Sektors zusätzlich an Bedeutung: Ende 2025 waren in Österreich bereits mehr als 6.500 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und Bürgerenergiegemeinschaften in Betrieb. Zugleich wurde ein eigenes Förderprogramm zur Weiterentwicklung bestehender Energiegemeinschaften aufgelegt (https://www.klimafonds.gv.at/foerderung/energiegemeinschaften-2025/?utm_source=chatgpt.com).



Ein Ansatz des Projekts bestand daher darin, Anregungen und konkrete Modelle zu entwickeln, wie Solidarität auch nachträglich in bestehende Energiegemeinschaften integriert werden kann. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Maßnahmen ausgearbeitet, die sich in bestehende Strukturen einfügen lassen und neue Teilhabemöglichkeiten für einkommensschwache bzw. von Energiearmut betroffene Haushalte schaffen.

Solidarität wird dann wirksam, wenn sie sich in konkreten Strukturen und Instrumenten widerspiegelt. Die folgenden Maßnahmen zeigen, wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann.

Solidarische Zweckwidmung
Ein definierter Anteil von Erlösen oder Einsparungen fließt in einen Sozial- oder Solidarfonds der EG, zum Beispiel zur Begleichung von Energieschulden, zur Unterstützung bedürftiger Haushalte oder sozialen/gemeinnützigen Einrichtungen in der Region. (Bsp. BEG Augustinum – Schulsozialfonds.) Auch eine Widmung von finanziellen Überschüssen für einen gemeinnützigen Zweck ist denkbar in der Energiegemeinschaft.

Solidarische Mitfinanzierung ermöglichen

Mitgliedern kann angeboten werden, einen einmaligen oder regelmäßig festgelegten Beitragsteil für bedürftige Haushalte bereitzustellen. Dies kann beispielsweise so ausgestaltet werden, dass pro verbrauchter kWh ein fixer Betrag (z.?B. 1?ct/kWh) einem Sozialfonds zugeführt wird, aus dem Kautionen, Unterstützungsbeiträge oder ein Sozialtarif für begünstigte Mitglieder finanziert werden.



Energiepatenschaften

Ein Modell stellen auch Energiepatenschaften dar. Hierbei erklären sich einzelne Haushalte bereit, einen einmaligen oder regelmäßigen Extrabetrag beizusteuern, der zugunsten der Energierechnungen eines oder mehrerer bestimmter, begünstigter Haushalte angerechnet wird.

Crowdfunding

Unterstützende Finanzierung kann auch für externe Personen/Unternehmen ermöglicht werden z.B. in Form von Solidarischem Crowdfunding. Unterstützung beim Aufbau von Crowdfunding-Kampagnen bietet bspw. die Plattform “welocally”.

Stromspenden ermöglichen
Die Implementierung einer Energiespende-Option für einspeisende Mitglieder kann in bestehende Energiegemeinschaften implementiert werden. Sinnvoll ist die Festlegung von Kriterien für begünstigte Haushalte. Die Praxis zeigt, dass Stromspenden organisatorisch und technisch umsetzbar sind (Bsp. Robin Powerhood). Unternehmerische Stromspenden sind steuerlich absetzbar und damit auch attraktiv für Großspender:innen oder Sponsoring. Die Prüfung der festgelegten Kriterien für begünstigte Haushalte kann von der Verwaltung der EEG selbst oder mittels Kooperation durch einen sozialen Träger übernommen werden. (Beispiel: Caritas & Robin Powerhood – Stromspenden gegen Armut)

Sozial gestaffelte Beiträge/Tarife
Mitgliedsbeiträge und Strompreise können sozial gestaffelt werden. Der Nachweis der Unterstützungswürdigkeit kann ohne Stigmatisierung über bereits bestehende Befreiungen oder Bezüge (Heizkostenzuschuss, ORF-Beitragsbefreiung, Sozialunterstützung, Wohnunterstützung, Ausgleichszulage etc.) erfolgen. Die Prüfung kann transparent über Vorstandsrollen oder wahlweise auch Kooperationspartner wie soziale Trägerorganisationen erfolgen.

Onboarding-Rollen & Peer-Beratung
Im Vorstand/Team kann eine „Sozial-Onboarding“ Rolle geschaffen werden, um Unterstützung beim Beitritt, beim Ausfüllen/Verstehen der Formulare, für Peer-to-Peer-Energiespartipps und bei der Anwendung einfacher Monitoring-Tools (App/Web) bereit zu stellen. Dies könnte auch durch freiwillige Unterstützer:innen organisiert werden. Es kann sich dabei um Mitglieder oder externe Unterstützer:innen handeln.

Bildungs- und Multiplikator:innenarbeit
In Kooperationen mit Schulen/Gemeinden/NGOs können Mitglieder der Energiegemeinschaft als “Botschafter:innen” fungieren und Erstinformationen, Workshops, Social-Media-Formate gestalten. Schulen sind eine besonders geeignete Drehscheibe, um Vertrauen und Kompetenz aufzubauen. Ebenso können Mitglieder oder Unterstützende, die keinen aktiven Zählpunkt in der Gemeinschaft, aber passende Kompetenzen haben, diese Funktion übernehmen.



Handlungsempfehlung für Energiegemeinschaften

Energiegemeinschaften, die auf die Beteiligung einkommensschwacher Haushalte Wert legen, sollten mit relevanten Steakholdern bzw. sozialen Trägern, die potenzielle Mitglieder zuweisen können, Kontakt aufnehmen. Ursprünglich war dafür die Vorlage eines Datenblatts angedacht, was aber durch die neu gegründete Plattform “Strom verbindet” von der Koordinierungsstelle für Energiegemeinschaften nun obsolet geworden ist. Es ist daher empfohlen, dass sich bestehende Energiegemeinschaften auf der Plattform https://stromverbindet.energiegemeinschaften.gv.at/ unter Angabe der wichtigsten Informationen zu Zugangsvoraussetzungen, Konditionen und Kontaktmöglichkeiten der Energiegemeinschaft registrieren und damit für Interessierte und beratende Zuweiser:innen einfach abrufbar sind.

Die persönliche Vernetzungsarbeit mit Anlaufstellen für einkommensschwache Personen und mit relevanten Steakholdern (soziale Trägerorganisationen, NPOs, Koordinierungsstelle Energiegemeinschaften u.Ä.) wird für die erfolgreiche Einbindung vulnerabler Gruppen empfohlen.

Mehr Details stehen im Leitfaden in der Toolbox , dort gibt es auch Vorlagen für Statuten für solidarische Energiegemeinschaften.



Methodik zur Planung und Optimierung der Energiegemeinschaft

Das Kernelement einer EG aus funktionaler Sicht ist ein in jedem Zeitschritt bestmöglicher Ausgleich von erzeugtem und verbrauchtem Strom innerhalb des Teilnehmerkreises. Die Gründung und der Betrieb der solidarischen Energiegemeinschaft in SOL:E sollte durch Berechnungen und Visualisierungen zu unterstützt werden. In der Antragsphase wurde festgestellt, dass kein Tool zur Verfügung stand, welches die gewünschten Kennwerte und Visualisierungen liefert. Daher wurde begleitend zu den übrigen Aktivitäten im Projekt ein Berechnungstool aufgebaut, und immer wieder zur Prüfung, Optimierung und für die Information von Stakeholdern genutzt. Das Tool steht nach dem Projektabschluss in der Toolbox öffentlich zur Verfügung.

Die begleitenden Berechnungen und Visualisierungen haben im Projekt immer wieder dabei unterstützt, Entscheidungen zu treffen, Stakeholder zu informieren, in die Diskussion zu kommen und quantitative Kennwerte zu den wirtschaftlichen Auswirkungen zu ermitteln. Letztendlich müssen auch in solidarische Energiegemeinschaften wirtschaftlich handeln. Kosten und wirtschaftliche Kennwerte sind auch in NGOs und nicht auf Gewinn ausgerichteten Unternehmen wichtige Entscheidungsgrundlagen sind. Eventuell hat die Verwaltung von solchen Organisationen weniger Zeitbudget als in auf Gewinn ausgerichteten Organisation – umso wichtiger sind schnell verständliche Zahlen und Grafiken als Entscheidungsgrundlage.



Zur Unterstützung bei der Auswahl einer ausgewogenen Mischung von erzeugenden und verbrauchenden Teilnehmern, zur Beurteilung von Szenarien im Voraus, sowie für Analyse bestehender Energiegemeinschaften auf Basis von EDA-Realdaten im Nachhinein, wurde ein MS-EXCEL-basiertes und ohne Spezialkenntnisse anwendbares leistungsfähiges, zeitbasiert im 15-Minuten Zeitraster arbeitendes, EG-Tool (Modellierungs- und Analysetool mit Ersparnisrechner) entwickelt. Die Darstellung der technischen Ergebnisse, tabellarisch wie auch in verschiedenen Diagrammdarstellungen, ist in unterschiedlichen Zeitintervallen möglich: Detailliert 15 minütlich, tageweise, monatlich und als Jahreswerte. Darüber hinaus können finanzielle Amortisationsbetrachtungen durch aneinandergereihte Jahresscheiben durchgeführt werden.



Die Modellierung einzelner Stromverbraucher für die einzelnen Mitgliedergruppen, beispielsweise von Haushalten beliebig konfigurierbarer Größen und Situationen, ist interaktiv möglich und führt zur Erzeugung von entsprechenden zeitlich variablen Profilen für den Strombedarf und für die Stromerzeugung. Letztere ermitteln sich aus den Angaben für ebenfalls konfigurierbare PV-Flächen, deren Erträge tag-, jahreszeit- und wetterabhängig anhand der angegebenen kWp-Werten und Ausrichtungen realistisch ermittelt werden. Neben der Simulation einer “EG vollständig vom Reißbrett” können auch bereits bekannte, gemessene Lastprofile im 15min-Raster wie zum Beispiel vom EDA-Portal erhältlich (oder von anderen Quellen) mit verrechnet werden. Auch Elemente wie Speicherbatterien etc. sind konfigurierbar. Zusammen mit ebenfalls konfigurierbaren Angaben von Verrechnungspreisen “ct/kWh” bzw. Preisszenarien für die Stromarten, liefert der Kosten-Ersparnis Vergleichsrechner das monetäre Ergebnis der EG im Gesamten und aufgelöst auf die Teilnehmer. Das Tool ermöglicht also einem EG-Betreiber je nach Zielsetzung der EG, Stichwort Solidarische EG, eine gezielte “Suche” nach passenden EG-Mitgliedern für den Erst-Aufbau einer EG, die “Erprobung” einer Erweiterung einer bestehenden EG, die Erarbeitung verschiedener Preismodelle und –szenarien, sowie die Ermittlung von Effekten von geändertem Verhalten von konkreten Teilnehmern. Die Installation des MS-EXCEL Tools erfordert keine zusätzlichen oder besondere Voraussetzungen an (PC) Hardware und weitere Software. Die Funktionalitäten sind in einem Leitfaden beschrieben, sowie direkte Kommentare im Tool. Standardmäßig ist im Tool eine “Basis-EG” enthalten mit der vorab “geübt” werden kann, bevor man sie beispielsweise zu einer „Ziel-EG“ umbaut.

Das Tool ist, gemeinsam mit Anleitungen in der Toolbox enthalten.

Vorteilhaftes Verhalten der Teilnehmer von EGs (Flexibilität und Lastmanagement)

Das Verhalten von Teilnehmern der Energiegemeinschaften wirkt sich auf deren Erfolg aus: Sowohl Erzeugung/Einspeisen als auch Energieverbrauch lassen sich zeitlich steuern. Moderne Haushaltsgeräte bieten zunehmend Möglichkeiten dafür: Beispielsweise kann bei Waschmaschinen und Geschirrspülern der Zeitpunkt für den Programmstart vorab festgelegt werden. Auch Warmwasserboiler können zeitlich gesteuert werden, ebenso wie das Laden von Batteriespeichern und Fahrzeugen. Damit können Verbräuche in das Zeitfenster gelegt werden, in dem viel Energie zur Verfügung steht.

Dieses Verhalten wird voraussichtlich zunehmend vorteilhaft werden. Schon jetzt ist über Energiegemeinschaften der Strom aus erneuerbaren Quellen oft günstiger als vom Energieversorger. Auch dynamische Tarife bieten Vorteile, wenn Strom verbraucht wird sobald er günstig zur Verfügung steht. Teilnehmer am Energiemarkt, die dieses Verhalten lernen und bei der Auswahl ihrer Geräte beachten, werden vermutlich längerfristig niedrigere Kosten haben.



@Caritas bitte prüfen: Ein Ziel des Projekts war es, Wissen zu Energie-‘Flexibilität’ auf den Weg zu vulnerablen Zielgruppen zu bringen. Über Mitarbeiter:innen bei Caritas soll dieses Wissen längerfristig die vulnerablen Zielgruppen erreichen.



Auch das SOL:E EG-Tool ermöglicht -bei Wunsch- eine tief gehende Abbildung des Verbraucherverhaltens im Sinn von “was geschieht typischerweise wann in einem Haushalt”. Damit lassen sich Gewohnheiten und Effekte der Änderungen von Gewohnheiten in Rückkoppelung zur konkreten EG quantifizieren und allfällige Vor- und Nachteile für den einzelnen Teilnehmer bzw. die EG als Gesamtheit, darstellen.



Ein wesentlicher Mehrwert vom Tool liegt in der Visualisierung der zeitlichen Abhängigkeit von Verbräuchen und zur Verfügung stehender Energie. Damit können Energiegemeinschaften verstehen, wo es Optimierungspotential gibt.



Wie können Teilnehmer zum Erfolg der Energiegemeinschaft beitragen?

Die Stakeholder werden in zwei Gruppen unterteilt: involvierte und informierte Stakeholder. Involvierte Stakeholder sind direkt an der EEG beteiligt, während informierte Stakeholder indirekt durch regulatorische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen Einfluss nehmen können.

Privatpersonen können aktiv durch Strombezug oder Stromverkauf, die Bereitstellung von Dachflächen oder passiv als Investoren teilnehmen. Ihre Motivation liegt in der Unabhängigkeit von Energiepreisschwankungen und dem Gemeinschaftsgedanken. Hindernisse sind unter anderem die Komplexität des Themas und die Bindungsdauer.

Karitative Einrichtungen und Bildungseinrichtungen können durch die Bereitstellung von Dachflächen oder als Initiatoren teilnehmen. Sie haben die Möglichkeit, eine Vorbildrolle einzunehmen und Wissen über die Energiewende zu vermitteln. Hindernisse sind unter anderem Denkmalschutz und organisatorische Herausforderungen.

Unternehmen und Banken können durch Investitionen und die Bereitstellung von Flächen aktiv oder passiv teilnehmen. Ihre Motivation umfasst soziale Verantwortung, Marketingvorteile und regionale Wertschöpfung. Hindernisse sind oft finanzielle und personelle Ressourcen.

Energieanbieter und Netzbetreiber spielen eine passive Rolle. Netzbetreiber müssen die gehandelte Energiemengen zuordnen und dem Energieanbieter und der EEG zur Verfügung stellen. Energieanbieter, sehen die EEGs eher als Konkurrenz, weil der Strom, welcher günstig am Markt gehandelt wird durch die Teilnahme an einer EEG nicht vom Energieanbieter bezogen wird. Der Energieanbieter ist aber trotzdem für den Fall, dass kein Strom in der EEG eingespeist wird, da und stellt Strom zur Verfügung oder nimmt Strom ab. Gesetzgeber schaffen die rechtlichen Rahmenbedingungen und fördern EEGs, um die Energiewende und Klimaziele zu unterstützen. Bürokratische Hürden und Widerstände können jedoch die Umsetzung erschweren.

Fazit:

Die Use Cases zeigen, wie EEGs soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit fördern können. Die Umsetzung erfordert jedoch engagierte Akteure, rechtliche und organisatorische Lösungen sowie eine klare Kommunikation des solidarischen und nachhaltigen Charakters der Projekte.



Roll-Out: Wie kann es weitergehen? @EAS bitte prüfen/ergänzen

(Caritas, Diözese) -> EAS

Caritas:

Weiterführend ist aus dem Projekt SOL:E die Errichtung einer “Fachstelle Energiearmut” innerhalb der Caritas Steiermark zur vertiefenden Beratung, Direktvermittlung und Anwendung des erlernten KnowHows zugunsten der vulnerablen Zielgruppen geplant. Die Zahl an Menschen, die Sozialberatungsstellen wegen Problemen durch Energiearmut aufsuchen, steigt ständig. Allerdings benötigen diese themenspezifischen Beratungen einerseits vertieftes Wissen der Mitarbeiter:innen und andererseits viel Zeit. Zudem wird in den Sozialberatungsstellen ein erhöhter Unterstützungsaufwand bei Armutsbetroffenen zur Anmeldung des “Sozialtarifs” (gestützter Preis) lt. ElWG bzw. Anträge auf OBS-Befreiung und für den Umstieg auf die digitalen Kund:innenportale der Energieversorgungsunternehmen (EVUs) erwartet.

Der Ausbau der Stromspendenkooperation zwischen Caritas und Robin Powerhood ist in Phasen geplant. Die erste Ausbaustufe ist die Akquise von Stromspenden durch gezielte Kommunikationskampagnen für Privatpersonen und Unternehmen. Parallel dazu sind bereits jene Caritas-Häuser ausgewählt, deren Zählpunkte als nächstes in die Energiegemeinschaft Robin Powerhood intergiert werden. Diese Caritas-Häuser beherbergen einkommensarme Haushalte und die Spenden dienen direkt zur Entlastung der Stromkosten der Betroffenen.



In der nächsten Ausbaustufe werden die Erfahrungen der Caritas Steiermark für die Ebene der Caritas Österreich aufbereitet, um weitere Caritas-Institutionen für das Spendenmodell zu gewinnen.



Als letzte Ausbaustufe ist eine direkte Zuweisung von armutsbetroffenen Haushalten in solidarische Energiegemeinschaften geplant. Die bereits bestehende Sozialberatungsstelle soll um eine “Fachstelle Energiearmut” erweitert werden, wobei allerdings die dafür nötigen Zeitressourcen noch finanziert werden müssen. Auch für diese Ausbaustufe ist bereits ein Caritas Wohnhaus als Pilotobjekt ausgewählt, in dem armutsbetroffene Menschen in Kleinstwohnungen betreut werden, jedoch alle private Stromverträge haben.



Diözese:

Die Use Cases beschreiben verschiedene Anwendungsfälle und Beteiligungsmodelle für solidarische Energiegemeinschaften im Kontext von Glaubensgemeinschaften und NGOs, mit Fokus auf nachhaltige Energieprojekte und deren soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte.





Pfarre, Schule, Privathaushalte: Eine Pfarre und eine Schule nutzen gemeinsam eine EEG, um Stromüberschüsse sinnvoll einzusetzen. Solidarität zeigt sich durch günstigere Stromtarife, die in Bildungs- und Gemeinwohlprojekte reinvestiert werden. Herausforderungen sind begrenzte personelle Ressourcen und bestehende Energieverträge.





Pfarre, betreute Übergangswohnungen, Hausgemeinschaft mit Wärmepumpe: Die Pfarre stellt Stromüberschüsse aus ihrer PV-Anlage für Mieter:innen in Übergangswohnungen und eine private Hausgemeinschaft bereit. Solidarität zeigt sich durch günstigere Tarife und Bildungsmaßnahmen zur Energieeinsparung. Herausforderungen sind die kurze Mietdauer und die finanzielle Lage der Mieter:innen.





Pfarre und Caritas Wohnhaus: Die Pfarre und ein Caritas-Wohnhaus bilden eine EEG, bei der Stromüberschüsse für die Mieter:innen genutzt werden. Solidarität zeigt sich durch günstige Tarife und Bildungsmaßnahmen. Herausforderungen sind fehlende Zählpunkte für einzelne Wohneinheiten und die finanzielle Lage der Mieter:innen.





Privatschule und Privatpersonen: Eine Schule und Privathaushalte bilden eine EEG, bei der die Schule als Multiplikator für erneuerbare Energien fungiert. Solidarität zeigt sich durch die Unterstützung eines Sozialtopfes und Bildungsarbeit. Herausforderungen sind die begrenzte Dachfläche der Schule und die Notwendigkeit eines starken Gemeinschaftsgefühls.



Erkenntnisse und Empfehlungen

Positive Erkenntnisse der Projektpartner

Solidarische Energiegemeinschaften wirken attraktiv, weil sie Menschen ermöglichen, ihren erneuerbaren Strom sinnvoller und solidarischer zu nutzen, statt ihn zu sehr niedrigen Vergütungen an Energieversorger abzugeben. Gerade in solidarischen EEGs entsteht das Gefühl, dass lokal erzeugte Energie in der eigenen Gemeinschaft bleibt und dort jenen zugutekommt, die sie brauchen. Pfarren können ihren PV-Strom direkt der Bevölkerung bereitstellen oder andere Pfarren unterstützen, die aus Denkmalschutzgründen keine eigene Anlage errichten dürfen. So entsteht ein regionaler Kreislauf, der wirtschaftlich fairer ist und gleichzeitig die Energiewende vor Ort stärkt. Mit dem neuen ELWG, welches Ende 2025 verabschiedet wurde, erweitern sich diese Möglichkeiten. Eigenversorgung und Peer-to-Peer ermöglichen es auch ohne Verein Energie zu teilen, wodurch es noch einfacher möglich wird die Energie in der Region zu teilen.

Im Jahr 2025 wurden in 18 Pfarren in der Steiermark Photovoltaikanlagen und Speichersysteme installiert, insgesamt 500?kWp Leistung und 400?kWh Speicherkapazität. Ein besonderer Meilenstein war die erste PV-Anlage auf einem denkmalgeschützten schwarzen Eternit-Kirchendach in Wettmannstätten, die zeigt, dass die Energiewende auch in sensiblen historischen Gebäuden möglich ist. Die Anlagen sind auf hohen Eigenverbrauch ausgelegt, dennoch entsteht in vielen Pfarren zeitweise überschüssige Energie. Dieser Strom kann – zusätzlich zum verpflichtenden Abnahmevertrag mit einem Energielieferanten – vorrangig über bestehende regionale Energiegemeinschaften geteilt und an Haushalte oder Einrichtungen in der Umgebung verkauft werden. Da in Österreich bereits über 5.000 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und rund 1.000 Bürgerenergiegemeinschaften aktiv sind, profitieren Pfarren von gut etablierten Strukturen, die die organisatorische Abwicklung erleichtern und auch Menschen ohne eigene PV-Anlage einbinden. Energiegemeinschaften sind in den Pfarren längst angekommen: Viele werden von bestehenden oder neu entstehenden EEGs zur Teilnahme eingeladen. Als Mitglied erhält man Mitspracherecht und kann soziale Anliegen einbringen – etwa faire Strompreise, solidarische Modelle oder die Unterstützung anderer Pfarren, die selbst keine PV-Anlage errichten können. So entsteht ein solidarischer, regionaler und zukunftsorientierter Ansatz, der die Energiewende in kirchlichen und kommunalen Strukturen nachhaltig stärkt. Details dazu sind oben unter Roll-Out Plan zu finden.



Einfluss sich ändernder Rahmenbedingungen

Im mehrjährigen Zeitraum von Projektplanung und Umsetzung haben sich die politischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wiederholt und teils stark verändert. Das hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung solidarischer Energiegemeinschaften. Insbesondere stark schwankende Energiepreise und Einspeisetarife erschweren die Entwicklung von Tarifmodellen, die wirtschaftlich tragfähig und zugleich auch für einkommensschwache bzw. von Energiearmut betroffene Haushalte passend sind. Gleichzeitig zeigt SOL:E, dass Energiegemeinschaften gerade unter solchen dynamischen Bedingungen als attraktive Option wahrgenommen werden, die eigene Energieversorgung aktiver zu gestalten und ein Stück unabhängiger von volatilen Marktmechanismen zu werden. Ende 2025 waren in Österreich bereits mehr als 6.500 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und Bürgerenergiegemeinschaften in Betrieb; zugleich wurde ein eigenes Förderprogramm zur Weiterentwicklung bestehender Gemeinschaften aufgelegt.

Empfehlungen für Politik/Gestaltung

Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz wurde zudem ein neuer Rechtsrahmen geschaffen, der stärkere Rechte für Endkund:innen, neue Möglichkeiten aktiver Teilhabe am Strommarkt sowie Maßnahmen für einkommensschwache Haushalte wie einen Sozialtarif vorsieht. Zugleich bringt dieser neue Rahmen für Betreiber:innen von Energiegemeinschaften neuerlich Anpassungsbedarf mit sich, weil zahlreiche Bestimmungen in der praktischen Umsetzung erst konkretisiert werden müssen. Für die weitere Gestaltung solidarischer Energiegemeinschaften lässt sich daraus ableiten, dass es klare und niederschwellige Unterstützungsangebote braucht – etwa in Form von One-Stop-Shop-Strukturen für NGOs und soziale Träger, verstärkter Kommunikation gegenüber reinen Konsument:innen sowie praxistauglichen Informationen, die verbreitete Mythen über Energiegemeinschaften auflösen. Offene Fragen, etwa zum Zusammenspiel von Sozialtarif und Strombezug aus Energiegemeinschaften oder zu den Rahmenbedingungen für gespendete Energie, sollten in der weiteren politischen und regulatorischen Ausgestaltung gezielt geklärt werden.