RESOLUT
Erhöhung der gesellschaftlichen Resilienz durch Vernetzung und Vorsorge
| Programm / Ausschreibung | KIRAS, F&E-Dienstleistungen, KIRAS F&E-Dienstleistungen (FED) 2023 | Status | laufend |
|---|---|---|---|
| Projektstart | 01.10.2024 | Projektende | 29.06.2026 |
| Zeitraum | 2024 - 2026 | Projektlaufzeit | 21 Monate |
| Keywords | Bevorratungslage; kritische Infrastruktur; Krisenvorbereitung; Blaulicht-Organisationen | ||
Projektbeschreibung
Das Forschungsprojekt RESOLUT bietet einen umfassenden, praxisorientierten und kooperativen Ansatz, der auf die spezifischen Bedürfnisse von BOS, First Respondern und Teilen kritischer Infrastrukturen zugeschnitten ist. Es erweitert das bestehende Konzept der Sicherheitsinseln des Österreichischen Bundesheeres und schließt wichtige Lücken in der aktuellen Forschung und Praxis. Der Innovationsgehalt liegt in der Schaffung eines methodisch-methodologischen Verfahrens, das an bestehende Aktivitäten in Österreich anschließbar ist und sich auf bisher vernachlässigte, aber entscheidende Zielgruppen konzentriert.
Abstract
The RESOLUT research project offers a comprehensive, practice-oriented and cooperative approach tailored to the specific needs of BOS, first responders and parts of critical infrastructures. It extends the existing concept of security islands of the Austrian Armed Forces and closes important gaps in current research and practice. The innovative content lies in the creation of a methodological and methodological procedure that can be linked to existing activities in Austria and focuses on previously neglected but crucial target groups.
Endberichtkurzfassung
RESOLUT - Erhöhung der gesellschaftlichen Resilienz durch Vernetzung und Vorsorge
Einsatzfähigkeit von Blaulichtorganisationen auch im Krisenfall sichern:
Die Notwendigkeit, sich besser auf Krisen vorzubereiten, wurde durch Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder den Russland-Ukraine-Konflikt und der damit verbundenen Energiekriese besonders deutlich. Auch Krisenereignisse außerhalb der Landesgrenzen, wie der großflächige Stromausfall („Blackout“) in Spanien Ende April 2025, zeigen, dass vernetzte Krisen mit immer weiterreichenden direkten und indirekten Folgen zunehmen. Ein solcher kaskadierender Ausfall (Vgl. Goiana-da-Silva et al. (2025), S.1-4) könnte in Mitteleuropa verheerende Folgen haben. Die Gefahr geht dabei nicht primär vom Stromausfall selbst aus, sondern von den kaskadierenden Auswirkungen in allen anderen Sektoren. Durch die derzeitige geopolitische Eskalation und die damit einhergehenden Sabotageangriffe im Rahmen der hybriden Kriegsführung sind zudem vielfältige Bedrohungs- und Krisenszenarien möglich.
Bei der Sensibilisierung und Aktivierung von Bevölkerung und Wirtschaft für die Krisenvorsorge besteht erheblicher Handlungsbedarf. Um die Handlungsfähigkeit der Blaulichtorganisationen auch im Krisenfall zu verbessern und deren Einsatzfähigkeit zu sichern und zu stärken, beschäftigt sich das Forschungsprojekt „RESOLUT“ mit dem Versorgungs- bzw. Ressourcenbedarf von Blaulichtorganisationen. Das Projekt umfasst die
Identifikation und taxative Auflistung aller Blaulichtorganisationen und weiterer krisenrelevanter Organisationen in drei Beispiel-Regionen,
Erfassung des Versorgungsbedarfes für 14-Tage,
Analyse, wie weit eine signifikante jahreszeitliche Schwankung innerhalb des Versorgungsbedarfes der krisenrelevanten Organisationen besteht,
Erhebung der derzeitig vorhandenen Reserven (Festlegung Stichtag) und des konkreten Bedarfes, um damit konkrete Lagerlogistik und Beschaffung zu planen,
Skizzierung einer zukünftigen Versorgungsstrategie bzw. Ressourcenvorhaltesystems für Blaulichtorganisationen und weiterer krisenrelevanter Organisationen im flächendeckenden Krisenfall in der Dauer von zumindest 14 Tagen.
Die Studie zeigt, dass die Einsatzfähigkeit von Blaulichtorganisationen bei Blackouts nicht auf die Verfügbarkeit einzelner Güter reduziert werden kann. Eine holistische Betrachtung macht deutlich, dass die Einsatzfähigkeit der Blaulichtorganisationen im Krisenfall als Ergebnis eines ineinandergreifenden Systems zentraler Komponenten und Einflussfaktoren zu sehen ist, bei dem die Faktoren Krisen-Bewusstsein, Autarkie, Eigenbevorratung, Personal, Treibstoff und Güter im Mittelpunkt stehen und zusammenwirken.
Die Studie identifiziert dabei insbesondere folgende Komponenten:
Die notwendigen Güter, wie Einwegprodukte (z.B. Verbrauchsgüter für Notfalleinsatz) und Mehrwegprodukte (z.B. fest eingebaute Ausrüstung) befinden sich überwiegend in den Einsatzfahrzeugen der Blaulichtorganisationen und müssen verfügbar sowie funktionsfähig sein.
Die Einsatzfähigkeit ist in hohem Maße von der Verfügbarkeit von Treibstoff abhängig, da dieser die Mobilität, die Energieversorgung sowie die Funktionsfähigkeit der Einsatzgeräte gewährleistet.
Qualifiziertes und motiviertes Personal ist eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung von Einsätzen.
Die Eigenbevorratung ist für das Personal von zentraler Bedeutung, da sie die private Versorgung mit lebenswichtigen Gütern sicherstellt und damit gewährleistet, dass Einsatzkräfte auch unter Krisenbedingungen einsatzbereit bleiben.
Die Einsatzfähigkeit weist eine hohe Abhängigkeit von einer umfassenden infrastrukturellen Netzautarkie auf, insbesondere in Bezug auf Energie, Wasser, Abwasser und Wärmeversorgung.
Nur unter der Voraussetzung, dass Einsatzkräfte sowie Organisationen das entsprechende Bewusstsein über das Eintreten eines großflächigen Krisenfalls in Betracht haben, werden notwendige Vorsorgemaßnahmen geplant und umgesetzt.
Lücken in jedem dieser Bereiche stellen daher ein erhebliches Risiko für die Gesamtfunktionalität der Blaulichtorganisationen dar. Entscheidend ist zudem der Grundsatz, wonach alles, was zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise durch Bevorratung nicht verfügbar ist, auch in der Zeit der Krise nicht verfügbar sein wird.
Ableitung und Ermittlung der im Detail zu bevorratenden kritischen Güter erfolgten im Projekt über eine Analyse gesetzlicher Grundlagen, Mindeststandards und relevanter Verordnungen, die die Ausstattung und Einsatzfähigkeit von Blaulicht- und Einsatzorganisationen definieren. Die für Einsätze notwendigen Ausrüstungs-, Betriebs- und Verbrauchsmittel befinden sich überwiegend in den Einsatzfahrzeugen der Blaulichtorganisationen bzw. in den Dienststellen. Die Anforderungen an die zu bevorratenden Güter sind durch die rechtlichen Anforderungen an die Ausstattung der Einsatzfahrzeuge definiert und können auf dieser Basis klar herausgearbeitet werden. Auf dieser Basis können bevorratende Maßnahmen mit Blick auf einen 14-tägigen Krisenfall getroffen werden, um die Einsatzfähigkeit der Blaulichtorganisationen über den Regelbetrieb hinweg zu gewährleisten.
Die Analyse zeigt, dass die Anforderungen der Lagerhaltung - für Rettungsorganisationen mit einem relevanten Anteil an Verbrauchsgütern und Freiwillige Feuerwehren mit einem dominierenden Anteil an Mehrweggütern - unterschiedlich ausgeprägt sind und entsprechend ausgestaltete Vorgangsweisen für Krisenfälle erfordern. Eine spezifische Herausforderung ergibt sich aus der Jahreszeitlichkeit. Im Winter steht vor allem die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit von Heizsystemen in Gebäuden im Fokus. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die reduzierte Tageslichtdauer, die einen erhöhten Bedarf an zuverlässiger Beleuchtung nach sich zieht. Im Sommer hingegen ergeben sich zentrale Herausforderungen aus hohen Umgebungstemperaturen. Diese beeinflussen insbesondere die Lagerung temperaturempfindlicher Materialien und insbesondere von Medikamenten.
Die Verfügbarkeit von Treibstoff während eines 14-tägigen Blackouts ist ein Schlüsselfaktor für die Einsatzfähigkeit aller Blaulichtorganisationen. Strukturelle und rechtliche Limitationen erweisen sich für eine adäquate Bevorratung für den Krisenfall als problematisch. Trotz einer vergleichsweisen dichten Tankstellen-Infrastruktur weist die Notstromversorgung von Tankstellen in Österreich erheblichen Handlungsbedarf auf: Der überwiegende Teil der österreichischen Tankstellen ist derzeit nicht auf einen Stromausfall vorbereitet.
Potenzielle Engpässe sind auch im Personalbereich relevant: Ehrenamtliches Engagement ist wesentliche Grundlage für die Tätigkeiten von Rettungsdiensten und Freiwillige Feuerwehren. Die Motivation der Freiwilligen muss auch in großflächigen Krisenfällen nachhaltig gesichert sein. Bei großen Krisensituationen stellt sich zudem die Herausforderung, Doppelrollen in der Krisenbekämpfung bewältigen bzw. priorisieren zu können. Die sichere Versorgung und Bevorratung der Familien von Einsatzkräften ist Grundlage für personelle Einsatzbereitschaft.
Wie sich potenzielle quantitative Versorgungsbedarfe beim Blackout-Fall für Bevölkerung und insbesondere für vulnerable Gruppen in Relation zur Verfügbarkeit an Blaulichtorganisationen darstellen, zeigt eine Erhebung für die Fokusregionen St. Pölten (Stadt) und Bezirk St. Pölten (Land), Bezirk Linz-Land inkl. Linz-Hörsching sowie Eisenstadt (Stadt) und Eisenstadt-Umgebung.
Die Ermittlung von Best Practices und vorbildhafter Ansätze liefert schließlich internationale Impulse für die Weiterentwicklung der Krisenvorsorge in Österreich. Die Studie zeigt, dass sich die Ausgestaltung nationaler Vorsorgeempfehlungen zur Krisenvorsorge sehr unterschiedlich präsentiert. Auch Länder mit einer hohen Sicherheits- und Vorsorgekultur beim Thema Blackout-Vorsorge sind mit institutionellen Grenzen und fehlenden verbindlichen Standards konfrontiert. Europäische Maßnahmen stehen vor der Herausforderung, der bestehenden Vielfalt von Risiko- und Vorsorgekulturen Rechnung zu tragen.
Aufgrund der Vielzahl der gewonnenen Erkenntnisse entwickelt das Projekt Ansätze und Empfehlungen für Elemente einer zukünftigen Versorgungsstrategie bzw. eines Ressourcenvorhaltesystems für Blaulichtorganisationen, um die Potenziale der Blaulichtorganisationen für Krisenvorsorge und Krisenbewältigung künftig noch besser mobilisieren und deren Einsatzfähigkeit absichern zu können.
Beispielhaft werden Empfehlungen zu Lagerhaltung, Verteilung, Logistik-Organisation und Kooperation vorgestellt:
Lager redundant organisieren – nicht nur zentral, sondern auch dezentral verfügbar, idealerweise auf Gemeinde- oder Bereichsebene
lagerstrategische Priorisierung nach Einsatzrelevanz - lebenswichtige Materialien (z.?B. Medikamente, Stromgeneratoren, Einsatzverpflegung) müssen vorrangig und in ausreichender Menge gelagert werden
alle wesentlichen Lagerprozesse (Entnahme, Verteilung, Nachführung) müssen auch analog durchführbar sein (Papierlisten, manuelle Übergaben und Notfall-Kommissionierung)
funktionierender Lagerbetrieb auch bei stark reduzierter Personalverfügbarkeit gewährleistbar, z.B. durch vordefinierte Rollen, Notfallschichten und einsatzbereites Reserveteam.
Etablierung regionaler Kooperationsnetzwerke (z.?B. mit Supermärkten, Apotheken, Baufirmen, Tankstellen) für belastbare Unterstützungsstrukturen (vordefiniert, vertraglich vereinbart und regelmäßig aktualisiert)
regionale Betriebsmittelversorgung insbesondere für Feuerwehren durch Kooperation mit regionalen Fach- und Baumärkten
verbindliche Vorsorge- und Notfallpläne für klare Zuständigkeiten, Eskalationslogiken und Handlungsabläufe, auch bei Ausfall von Leitstellen oder zentraler Koordination
regelmäßige Krisenübungen und Planspiele mit Blaulichtorganisationen, Gemeinden und Partnern zur Identifikation von Schwachstellen und Schärfung der operativen Umsetzung
Verfügbarkeit erprobter stromunabhängige Backup-Systeme, etwa mechanische Pumpen, manuelle Dispositionsmittel
Weiterer Forschungsbedarf besteht nach den Erkenntnissen des vorgestellten Projektes insbesondere
bei der Bestandsaufnahme und Analyse der „Blackout-Tauglichkeit“ der Treibstoffversorgung(sinfrastruktur) und der Entwicklung eines entsprechenden Maßnahmenkonzepts,
bei Potenzialen und Handlungsoptionen zur Erhöhung der Eigenbevorratung für den Krisenfall in der Bevölkerung durch Aktivierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einsatzorganisationen als gesamtgesellschaftliche Multiplikatoren für die Krisenvorsorge,
bei der integrierten Betrachtung materieller und „immaterieller“ Betriebsmittel von Einsatzorganisationen für den Krisenfall und insbesondere bei Instrumenten und Strategien zur nachhaltigen Motivation und Aktivierung von Einsatzkräften in Freiwilligenorganisationen.