Migration Ties

Einfluss der Milieu-Zugehörigkeit von MigrantInnen auf ihre transnationalen Verbindungen

Programm / Ausschreibung KIRAS, F&E-Dienstleistungen, KIRAS F&E-Dienstleistungen 2019 Status laufend
Projektstart 01.11.2020 Projektende 30.06.2022
Zeitraum 2020 - 2022 Projektlaufzeit 20 Monate
Keywords Migration, Sinus-Milieus, Qualitative Forschung, Diaspora, Transnationalität

Projektbeschreibung

Obwohl internationale Organisationen wie die IOM (International Organisation for Migration) diagnostizieren, dass die Süd-Süd Migration den größten Anteil der globalen Migrationsströme dar-stellt, ist Migration auch in Österreich seit vielen Jahrzehnten ein zentrales und gleichzeitig kontroversiell diskutiertes gesellschaftspolitisches Thema. Dies basiert nicht zuletzt auf den zahlreichen politischen Umbrüchen in der zweiten Hälfte des 20. und im frühen 21. Jahrhundert, die in Europa und darüber hinaus stattgefunden haben. Darüber hinaus wirken auch wirtschaftspolitische Entscheidungen bis heute nach, wie etwa die aktive Anwerbung von ArbeitsmigrantInnen in den 1960er und 1970er Jahren bei gleichzeitigem Fehlen von Integrationsangeboten zeigt.
Trotz dieser Entwicklungen wurde Migration in der sozialwissenschaftlichen Forschung in Österreich erst relativ spät als Forschungsgegenstand entdeckt. Erst vor dem Hintergrund der vielfältigen Migrationsbewegungen ab den 1990er Jahren zeigt sich eine zunehmende Relevanz der Migrationsforschung. So liegen mittlerweile eine Reihe von Studien zur Lebenssituation und sozialstrukturellen Verortung von MigrantInnen sowie Untersuchungen bestimmter Gruppen vor. Dennoch fehlt es bislang an Arbeiten, die sozioökonomische Faktoren und subjektive Einstellungen, Wert-haltungen und Lebensstilen im Sinne des Milieu-Ansatzes verknüpfen. Diese Forschungslücke wird im Rahmen des Migration Ties Projekts geschlossen, indem erstmals eine Sinus-Milieus-Studie durchgeführt wird, in der die MigrantInnen-Milieus in Österreich erhoben werden.
Basierend auf einer quantitativen Befragung wird im Rahmen des Projekts eine Auswertung der Daten nach dem Sinus-Milieu-Model erstellt. Die Erhebung sowie die Sinus-Milieu-Analyse wird dabei von INTEGRAL (Subauftragnehmer) in enger Zusammenarbeit mit den Projektpartnern durchgeführt, wobei mit dem Bedarfsträger bereits eine Abstimmung hinsichtlich der Auswahl von relevanten MigrantInnen-Gruppen erfolgte.
Aufbauend auf der Sinus-Milieu-Studie greift das Projekt ein weiteres Thema aus der Ausschreibung und gleichzeitig eine weitere Forschungslücke auf, indem erforscht wird, inwieweit die Milieu-Zugehörigkeit einen Einfluss auf die transnationalen Verbindungen von MigrantInnen (u.a. zu ihren Herkunftsländern) hat. Einerseits werden die MigrantInnen-Milieus dabei mit ExpertInnen aus Forschung und Praxis diskutiert. Andererseits werden die milieuspezifischen transnationalen Verbindungen mit MigrantInnen in Gruppendiskussionen diskutiert.
Abschließend werden die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Forschung analysiert und für den Bedarfsträger aufbereitet, wobei auch Vergleiche mit der Studie zu MigrantInnen-Milieus in Deutschland eingearbeitet werden. Darüber hinaus werden konkrete evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für EntscheidungsträgerInnen aus Politik und Verwaltung formuliert.

Abstract

Although international organizations like IOM (International Organization for Migration) state that south-south migration represents the largest share of global migration flows, migration is also a major socio-political issue in Austria since many decades. This is based not least on the numerous political upheavals that took place in Europe and beyond in the second half of the 20th and early 21st centuries. In addition, economic-policy decisions continue to have an impact today, as is shown by the active recruitment of migrant workers in the 1960s and 1970s without offering services for integration.
Despite these developments, migration was discovered relatively late as an object of research in social sciences in Austria. However, due to the diverse migration movements from the 1990s, the relevance of migration research became apparent. Since then, a number of studies have been produced on the life’s and the socio-structural location of migrants as well as studies of certain groups. However, there has been a lack of research that combines socio-economic factors and subjective attitudes, values and lifestyles following the milieu approach.
This research gap is closed within the framework of the Migration Ties project as it will carry out a Sinus-Milieus Study, where the Austrian migrant milieus are mapped for the first time. Based on a quantitative survey, an evaluation of the data according to the sinus milieu model is being created within the scope of the project. The survey and the sinus milieu analysis are carried out by INTEGRAL (subcontractor) in close cooperation with the project partners, whereby the relevant migrant groups have already been pre-selected with the user.
Building on the Sinus-Milieu-Study, the project takes up another topic from the call for proposals by researching to what extent the milieu-affiliation has an impact on the connections of migrants to their countries of origin. On the one hand, the migrant milieus are discussed with experts from research and practice. On the other hand, the milieu-specific transnational connections are discussed with migrants in group discussions.
Finally, the results of the quantitative and qualitative research are analyzed and prepared for the end-users, whereby comparisons with the study on migrant milieus in Germany are also incorporated. In addition, evidence-based recommendations for decision-makers from politics and administration are provided.