Theatre f. Belonging
Theatre for Belonging
| Programm / Ausschreibung | IWI 24/26, IWI 24/26, Impact Innovation Ausschreibung 2026 | Status | laufend |
|---|---|---|---|
| Projektstart | 01.07.2026 | Projektende | 31.12.2027 |
| Zeitraum | 2026 - 2027 | Projektlaufzeit | 18 Monate |
| Projektförderung | € 97.860 | ||
| Keywords | |||
Projektbeschreibung
Einsamkeit ist zu einem der drängendsten Jugendthemen unserer Zeit geworden. Nationale und internationale Studien zeigen, dass sich immer mehr junge Menschen sozial isoliert fühlen – mit gravierenden Folgen für ihre psychische Gesundheit, ihr Zugehörigkeitsgefühl und ihre demokratischen Einstellungen. Die Studie „Extrem einsam?“ des Progressiven Zentrums (2024) weist erstmals deutlich nach, dass Einsamkeit eng mit autoritären Haltungen, Verschwörungsdenken und politischer Resignation verknüpft ist. Jugendliche, die sich allein gelassen fühlen, tendieren häufiger dazu, einfachen Lösungen zuzustimmen, sich von demokratischen Prozessen abzuwenden und gesellschaftliches Vertrauen zu verlieren. Dieser Zusammenhang wird durch internationale Forschung gestützt: Die WHO-Kommission für Social Connection (2024) bezeichnet Einsamkeit als eines der größten globalen Gesundheitsrisiken, während die Lancet Psychiatry Commission on Youth Mental Health (2025) betont, dass Prävention vor allem durch soziale Resonanzräume, kreative Ausdrucksmöglichkeiten und echte Teilhabe möglich ist.
Parallel dazu zeigt der österreichische YEP Jugendbericht Mental Health (2025), dass Jugendliche vor allem nach Orten suchen, in denen sie sich einbringen können, Wirksamkeit erleben und stabile Peer-Beziehungen aufbauen. Diese Bedürfnisse stehen jedoch in starkem Kontrast zur aktuellen Lebensrealität vieler Jugendlicher: zunehmender Leistungsdruck, digitaler Rückzug, mangelnde Verankerung im sozialen Umfeld und zu wenige Räume, in denen sie sich angstfrei und kreativ ausdrücken können. Internationale Analysen, wie jüngst in The Atlantic (2025), weisen zudem darauf hin, dass Einsamkeit politisch folgenreich ist – sie erhöht Polarisierung und Radikalisierungsanfälligkeit, weil jungen Menschen das soziale Korrektiv fehlt, das aus Beziehungen, Empathie und gegenseitigem Dialog entsteht.
Vor diesem Hintergrund gewinnt kulturelle Bildung – und insbesondere theaterpädagogische Arbeit – eine neue gesellschaftliche Bedeutung. Forschung aus der Kinder- und Jugendgesundheit, etwa auf kubi-online oder BMC Public Health, zeigt, dass kreative Gruppenerfahrungen wesentliche Schutzfaktoren gegen Einsamkeit sind: Sie fördern Resonanz (Rosa), Selbstwirksamkeit, Sinnstiftung und Empathie – alles zentrale Bausteine psychischer und gesellschaftlicher Resilienz. Theater bietet Jugendlichen einen Ort, an dem sie gesehen werden, sich ausdrücken können, Konflikte im sicheren Rahmen verhandeln und sich mit anderen verbinden. Es ist ein Raum, in dem Zugehörigkeit nicht gegeben, sondern gemeinsam entwickelt wird.
Aus dieser Erkenntnis heraus entsteht die Projektidee „Theatre for Belonging“, die der Frage nachgeht, wie theaterpädagogische, partizipative kulturelle Bildung systematisch gestaltet werden kann, um Einsamkeit unter Jugendlichen zu reduzieren und damit autoritären Einstellungen präventiv entgegenzuwirken. Das Projekt verbindet Ansätze aus Kulturpädagogik, Jugendforschung, Demokratieförderung und psychischer Gesundheitsprävention. Es zielt darauf ab, nicht nur künstlerische, sondern auch soziale und demokratische Kompetenzen zu stärken.
Im Rahmen eines Impact-Innovation-Prozesses wird zunächst eine vertiefte Problemanalyse durchgeführt, die qualitativen und quantitativen Zugang kombiniert: Interviews, Fokusgruppen und eine Erhebung zu Einsamkeit, Selbstwirksamkeit und demokratischen Haltungen geben ein detailliertes Bild der Ausgangslage. Darauf aufbauend werden gemeinsam mit Jugendlichen, Theaterpädagog:innen, Psycholog:innen und Expert:innen aus der Demokratiebildung drei prototypische Formate entwickelt: regelmäßige analoge Theaterclubs als soziale Resonanzräume, digitale Online-Gruppen für Jugendliche im ländlichen Raum sowie demokratiebezogene „Civic Playshops“, in denen Rollenarbeit, Perspektivwechsel und performative Methoden genutzt werden, um Diskurs- und Konfliktfähigkeit zu fördern.
Diese Formate werden in einem iterativen Prozess pilotiert, getestet und weiterentwickelt. Gleichzeitig wird ein wirkungsorientiertes Messmodell eingesetzt, das Veränderungen in Einsamkeit, Gruppenbindung, Selbstwirksamkeit und autoritären Einstellungen sichtbar macht. Die Ergebnisse fließen in ein übertragbares Modell ein: ein Facilitator-Kit für Theaterpädagog:innen, ein Schulmodul für den Unterricht sowie ein Toolkit für Gemeinden, die Jugendbeteiligung, psychische Gesundheit und demokratische Resilienz stärken möchten.
Mit „Theatre for Belonging“ kann die BeyondBühne ihre Rolle als innovativer Akteur im Schnittfeld von Kultur, Gesundheit und Demokratie ausbauen. Das Projekt schafft nicht nur gesellschaftlichen Mehrwert, sondern eröffnet neue Angebotsfelder – von regelmäßigen Theatergruppen über digitale Formate bis hin zu schulischen Kooperationen. So trägt es sowohl zur Resilienz junger Menschen als auch zur langfristigen strategischen Weiterentwicklung der BeyondBühne bei.