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NEB-Tischlerei-Melk

Entwicklung eines ehemaligen Tischlerei-Areals zu einem multiplizierbaren europäischen Leuchtturm-NEB-Quartier

Programm / Ausschreibung Energie- u. Umwelttechnologien, Energie- u. Umwelttechnologien, Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt TIKS (früher: Stadt der Zukunft Status laufend
Projektstart 01.07.2024 Projektende 31.12.2025
Zeitraum 2024 - 2025 Projektlaufzeit 18 Monate
Keywords Herzensprojekt eines 150-jährigen Familienunternehmens; Leuchtturm-NEB-Quartier; Urbanität im ländlichen Raum; Architektonisches Zeitmonument in Beziehung mit UNESCO-Weltkulturerbe Stift Melk; Der Mensch im Zentrum

Projektbeschreibung

Motivation
Am ehemaligen Produktionsgelände der Tischlerei Fürst, Jakob Prandtauerstraße 11 – 3390 Melk, soll in unmittelbarer Nähe zum weltberühmten Stift Melk ein klimaneutrales, multifunktionales, skalierbares NEB-Stadtquartier als Leuchtturmprojekt mit internationaler Strahlkraft und Anziehungskraft entstehen. Dieses Quartier namens „Tischlerei Melk“ soll die höchsten Ambitionslevels des NEB-Kompasses erreichen und Österreich in Horizon Europe stark positionieren und repräsentieren.

Ausgangslage
Wesentliche NEB-Aspekte waren bereits seit jeher am Areal verankert:
• von 1938 – 2008 Produktionsstätte der „Fürst Möbel GmbH“: Tischlereibetrieb, Tochterunternehmen der Fürst Holding GmbH mit Fokus auf ÄSTHETIK)
• INKLUSION durch Nutzung als multifunktionales Stadtquartier (Wohnen, Büro, Handwerksräume, Gemeinschaftsflächen wie Nutzgärten für betriebsinterne und -fremde Personen)
• Seit 2008 (Übersiedlung der Produktion aus Platzmangel) Nachnutzung als Kultur- und Theaterbühne „Tischlerei Kulturwerkstatt“– bisher mehr als 100.000 Besucher:innen
Nach fast 90-jähriger Nutzung ist die Lebensdauer der Bausubstanz erreicht. Daher startete im Februar 2021 ein umfassender Quartiers-Entwicklungsprozess – bisher über 500 Gespräche mit Expert:innen besonders aus NEB-Kernbereichen Nachhaltigkeit, Inklusion, Ästhetik und Bevölkerung
Die Ziele der Fürst Holding (deckungsgleich mit jenen des NEB-Programms), die attraktive Lage in unmittelbarer Nähe zu Stift Melk (jährlich 1 Mio. Besucher:innen) inmitten des Stadtentwicklungsprojekts „Boulveard Melk“ (als größtes Einzelprojekt) sowie die Erfordernis für bauliche Maßnahmen prädestinieren „Tischlerei Melk“ als international ausgerichtetes NEB-Projekt.

Ziele
Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung des Quartiersprojekts „Tischlerei Melk“ gemäß den Prinzipien des New European Bauhauses zu einer umsetzungsreifen Vision eines NEB-Quartiers. Dazu werden 3 Sub-Ziele bzw. methodische Prozessschritte verfolgt:
• Ziel 1: Interdisziplinäre, inklusive Entwicklung von Planungszielen und Kriterien, mit welchen der Erfüllungsgrad der Anforderungen des NEB-Programms bewertet werden kann.
• Ziel 2: Entwicklung der umsetzungsreifen Vision des NEB-Quartiers „Tischlerei Melk“ durch ein kooperatives, co-kreatives Planungsverfahren.
• Ziel 3: Vorbereitung der Umsetzung des NEB-Quartiers „Tischlerei Melk“.

Innovationsgehalt
Die „Tischlerei Melk“ zeichnet sich besonders durch folgenden Innovationsgehalt aus:
• Generationsübergreifende Projektperspektive – Lebenszyklus mindestens 150 Jahre (Vorbild: Stift Melk bereits 300 Jahre)
• Hohes Level an Ambition, Qualitätsanspruch und disruptiver Entwicklungsprozess
• Breit angelegter Entwicklungs- und Partizipationsprozess
• Impact-Potential des Projekts „NEB-Tischlerei-Melk“ ist enorm – durch Nähe zu Stift Melk, strategische Partnerschaften, breite Einbindung von Stakeholder:innen und Akteur:innen

Angestrebte Ergebnisse und Erkenntnisse
• Konkrete umsetzungsreife Vision des NEB-Quartiers „Tischlerei Melk“ – architektonisch, städtebauliches, technisches Konzept
• Hohe Unterstützung und Akzeptanz in Bevölkerung und relevanter Stakeholder:innen dank Partizipation und co-creation
• Planungs-, Bauzeit- und Finanzierungsplan
• Vertiefung bereits vorhandener Vernetzung mit NEB-Community
• Maßnahmen, Prozess und Strategie für Planung, Umsetzung, Inbetriebnahme samt begleitender Einbindung der Bevölkerung und Stakeholder:innen
• Publizierbare Studie

Abstract

motivation
At the former production site of the furniture carpentry Fürst, Jakob Prandtauerstraße 11 - 3390 Melk, a climate-neutral, multifunctional, scalable NEB city quarter is to be built in the immediate vicinity of the world-famous Melk Abbey as a lighthouse project with international appeal. This quarter called “Tischlerei Melk” is intended to achieve the highest ambition levels of the NEB compass and to position and represent Austria strongly in Horizon Europe.

initial situation
Key NEB aspects have always been part of the site:
• from 1938 – 2008 production facility of “Fürst Möbel GmbH” (subsidiary of Fürst Holding GmbH) with strong focus on AESTHETICS)
• INCLUSION through use as a multifunctional urban district (living, office, craft rooms, common areas such as kitchen gardens for people inside and outside the company)
• Since 2008 (relocation of the production due to lack of space) subsequent use as a cultural and theater stage “Tischlerei Kulturwerkstatt” – more than 100,000 visitors so far
After almost 90 years of use, the lifespan of the building structure has been reached. Therefore, a comprehensive neighborhood development process began in February 2021 - so far over 500 discussions with experts, particularly from NEB core areas of sustainability, inclusion, aesthetics and population
The goals of Fürst Holding (congruent with those of the NEB program), the attractive location in the immediate vicinity of Melk Abbey (1 million visitors annually) in the middle of the urban development project “Boulveard Melk” (the largest single project) and the requirement for structural measures predestine “Tischlerei Melk” as an internationally oriented NEB project.

Goals
The main goal of the project is to further develop “Tischlerei Melk” neighborhood project in accordance with the principles of the New European Bauhaus into a vision of an NEB neighborhood that is ready for implementation. For this purpose, 3 sub-goals or methodical process steps are pursued:
• Goal 1: Interdisciplinary, inclusive development of planning goals and criteria with which the degree of fulfillment of the requirements of the NEB program can be assessed.
• Goal 2: Development of the ready-to-implement vision of the NEB district “Tischlerei Melk” through a cooperative, co-creative planning process.
• Goal 3: Preparation for the implementation of the NEB district “Tischlerei Melk”.

Innovation content
The “Tischlerei Melk” is particularly characterized by the following innovative content:
• Cross-generational project perspective – life cycle at least 150 years (model: Melk Abbey already 300 years)
• High level of ambition, quality standards and disruptive development process
• Broad-based development and participation process
• The impact potential of the “NEB-Tischlerei-Melk” project is enormous – through proximity to Melk Abbey, strategic partnerships, broad involvement of stakeholders and actors

Targeted results
• ready-to-implement vision of the NEB district “Tischlerei Melk” – architectural, urban development, technical concept
• High support and acceptance among the population and relevant stakeholders thanks to participation and co-creation
• Planning, construction schedule and financing plan
• Deepening existing networking with the NEB community
• Measures, process and strategy for planning, implementation, commissioning, including the accompanying involvement of the population and stakeholders
• Publishable study

Endberichtkurzfassung

Im Rahmen dieses Projekts wurde für das ehemalige Produktionsgelände der Tischlerei Fürst in unmittelbarer Nähe zum weltberühmten Stift Melk die umfassende Projektvision für das New European Bauhaus – Quartier „Tischlerei Melk“ in einem co-kreativen, partizipativen Innovationsverfahren entwickelt. Das Quartier soll als Leuchtturmprojekt internationaler Strahlkraft und Anziehungskraft gemäß den erzielten Projektergebnissen schrittweise realisiert werden und einen zentralen Gestaltungsbeitrag für die NEB-Initiative liefern. Das Zukunftsbild für das Quartiersprojekt sollte auch Umsetzungsstrategien, Zielsetzung und Maßnahmenbündel, die erforderlichen Prozesse sowie architektonische, städtebauliche und baukulturelle Strategien sowie die Einbindung von Bürger:innen und Bewohner:innen berücksichtigen.[1]

Die Tischlerei Melk ist das erste NEB-Projekt, welches im ländlichen Raum Europas entwickelt und umgesetzt wird. Elemente des New European Bauhauses wurden bereits im 1938 errichteten Bestandsquartier umgesetzt, wie etwa die Kombination von Handwerk, Kunst und Ästhetik in der Möbelproduktion in einem gemeinschaftsfördernden, multifunktionalen Quartier (Wohnen, Arbeiten, Handwerksräume, Nutzgärten und Gemeinschaftsflächen für betriebsinterne und betriebsfremde Personen). Das Zukunftsbild konnte daher auch auf historische Erfahrungen zurückgreifen, diese wiederentdecken und weiterentwickeln.

Die konkrete Umsetzung der NEB-Grundsätze für das Quartier „Tischlerei Melk“ erfolgte interdisziplinär, co-kreativ und partizipativ unter Einbindung von Bürger:innen, Bewohner:innen, vier Architekturbüros, unterschiedlichen Stakeholder:innen und Expert:innen. Aus dem Prozess entstanden zunächst ein NEB-Zielkatalog in Form einer zu lösenden Aufgabenstellung, welche von den Architekturbüros bearbeitet wurde. Eines dieser Projekte wurde als Vision für das NEB-Quartier zur Weiterentwicklung ausgewählt.

Auf Basis des Projektprozesses lassen sich folgende Schlussfolgerungen zusammenfassen und als Thesen aufstellen:


Freude an Gemeinschaft ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung eines NEB-Quartiers
Zielsetzungen eines NEB-Quartiers sind analog wie die Grundprinzipien der Initiative verschränkt und integral zu planen und verfolgen
NEB-Quartiere erfordern eine generationsübergreifende Projektperspektive
Das Wachstum von NEB-Quartieren wird organisch und nicht baulich bestimmt


Die weitere Umsetzung des NEB-Quartiers „Unsere Tischlerei“ wird im Rahmen des Folgeprojekts „NEB Tischlerei 150+“ als Demonstrationsvorhaben weiterverfolgt. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen der Ausschreibung Leuchttürme der Wärmewende 2024 durchgeführt.



[1] vgl. https://www.ffg.at/tiks/AS2023 - „Ausschreibungsleitfaden“ – Seite 26 ff, aufgerufen am 01.12.2025