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KNFP_Judenburg

Erstellung eines Klimaneutralitätsfahrplanes 2040 für die Stadt Judenburg

Programm / Ausschreibung Smart Cities, TLKNS, Transformative Lösungen für Klimaneutrale Städte 2023 Status laufend
Projektstart 01.06.2024 Projektende 30.11.2025
Zeitraum 2024 - 2025 Projektlaufzeit 18 Monate
Keywords Klimaneutralität, lebenswerte Stadt, Gewerbe- und Industrie

Projektbeschreibung

Ausgangssituation und Motivation
Die Stadtgemeinde Judenburg gehört zu den Nachhaltigkeits-Vorreiterkommunen in Österreich und setzt seit mehr als 30 Jahren kontinuierlich Maßnahmen im Bereich Klimaschutz um. Eingeleitet wurde dieser nachhaltige Weg mit der Einführung eines Umweltreferates im Jahr 1986. Seither konnte vor allem im eigenen Wirkungsbereich der Stadt viel bewegt werden, u.a. durch den Beitritt zum Klimabündnis, dem e5-Programm (Auditierung mit 5e und dem European Energy Award in Gold), dem Beitritt zum Konvent der Bürgermeister und als Teil der KEM und KLAR! Murtal.

Als eine wesentliche Herausforderung der industriell-gewerblich geprägten Stadt gilt es, den rückläufigen Bevölkerungszahlen entgegenzuwirken. Auch der demografische Wandel ist spürbar, zumal eine zunehmende Überalterung erfolgt. Ziel der Gemeinde ist es, die Bevölkerungszahl zu stabilisieren und den Zuzug von Familien bzw. den Verbleib der jungen Erwachsenen durch die Attraktivierung der Stadt zu fördern. Dazu ist es auch erforderlich, die Lebensqualität in Judenburg aufrechtzuerhalten bzw. zu steigern und die Zahl der qualifizierten Arbeitsplätze zu erhöhen, was aus Sicht der (politischen) Verantwortlichen durch eine weitere Forcierung der Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und gezielten Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität gelingen kann.
Um die Klimaneutralität im gesamten Stadtgebiet zu erreichen, bedarf es daher weiterer Anstrengungen. Insbesondere der Bereich Gewerbe und Industrie spielt eine wichtige Rolle, da dieser für mehr als 50 % des Energieverbrauchs der Stadt verantwortlich zeichnet.

Ziele und Ergebnisse
Die Stadt Judenburg bekennt sich zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 und verfolgt mit dem eingereichten Projekt das Hauptziel, einen konsistenten, umfassenden, realisierbaren Fahrplan zur Erreichung dieser auszuarbeiten. Diesbezüglich werden folgende Teilziele adressiert:
- Die bestehenden Leitgedanken, z.B. Stadt der kurzen Wege, Entwicklung zur digitalen Stadtgemeinde etc., sind in einer gesamtheitlichen Vision zur Klimaneutralität zusammengeführt, wobei Anforderungen und Synergien zu laufenden Aktivitäten (e5, Konvent der Bürgermeister, Klimabündnis etc.) berücksichtigt werden.
- Ein übergeordneter Fahrplan mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielhorizonten und konkreten Umsetzungsmaßnahmen für die Bereiche Gebäude & Anlagen, Ver- und Entsorgung, Mobilität, Stadtentwicklung und Raumplanung sowie Handlungsempfehlungen für Gewerbe und Industrie liegt vor.
- Relevante Stakeholder, insbesondere Unternehmen und Einrichtungen, die sich bereits mit dem Thema Klimaneutralität beschäftigen, sind mittels geeigneter Beteiligungsformate in die Erstellung des Fahrplans eingebunden.
- Ein kontinuierliches Monitoring und die Evaluierung der Umsetzungsmaßnahmen hinsichtlich des definierten Zielpfades finden statt.

Mit dem Klimaneutralitätsfahrplan soll der Stadt am Ende des Prozesses eine tragfähige und breit aufgestellte städtische Strategie mit klaren Umsetzungsmaßnahmen als Fahrplan für die nächsten Jahre vorliegen. Judenburg will damit als eine österreichische Vorreiter-Stadt im Kontext "Klimaneutralität" wahrgenommen werden, die sich aktiv den zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen stellt.

Abstract

Initial situation and motivation
The municipality of Judenburg is one of the sustainability pioneers in Austria and has been continuously implementing climate protection measures for more than 30 years. This sustainable path was initiated with the introduction of an environmental department in 1986. Judenburg joined the Climate Alliance, the e5 programme, the Covenant of Mayors and is part of the KEM and KLAR! Murtal.

Counteracting the declining population figures is a major challenge for the town, which is characterised by industry and commerce. Demographic change is also noticeable, especially as the population is ageing. The municipality's aim is to stabilise the population and encourage families to move in and young adults to stay by making the town more attractive. To achieve this, it is also necessary to maintain or improve the quality of life in Judenburg and increase the number of qualified jobs, which the (political) decision-makers believe can be achieved by further stepping up activities in the area of climate protection and targeted measures to achieve climate neutrality.
Further efforts are therefore needed to achieve climate neutrality throughout the city. The commercial and industrial sector in particular plays an important role, as it is responsible for more than 50 % of the city's energy consumption.

Objective and results
The city of Judenburg is committed to achieving climate neutrality by 2040 and the main objective of the submitted project is to develop a consistent, comprehensive and realisable roadmap to achieve this. The following sub-goals are addressed in this regard:
- The existing guiding principles, e.g. city of short routes to all major services, development into a digital municipality, etc., are brought together in a holistic vision of climate neutrality, taking into account requirements and synergies with ongoing activities (e5, Covenant of Mayors, Climate Alliance, etc.).
- An overarching roadmap with short, medium and long-term target horizons and specific implementation measures for the areas of buildings & facilities, supply and disposal, mobility, urban development and spatial planning as well as recommendations for action for trade and industry is available.
- Relevant stakeholders, in particular companies and organisations that are already involved in the topic of climate neutrality, are involved in the creation of the roadmap by means of suitable participation formats.
- Continuous monitoring and evaluation of the implementation measures with regard to the defined target path are taking place.

At the end of the process, the climate neutrality roadmap should provide the city with a sustainable and broad-based urban strategy with clear implementation measures as a roadmap for the coming years. Judenburg wants to be recognised as an Austrian pioneering city in the context of "climate neutrality" that is actively facing up to future tasks and challenges.

Endberichtkurzfassung

a. Ausgangssituation / Status Quo

Die Stadtgemeinde Judenburg verfolgt seit fast vier Jahrzehnten eine konsequente Klima- und Energiepolitik und zählt damit zu den Pionierkommunen in Österreich. Aufbauend auf frühen Energie- und Umweltkonzepten, der Mitgliedschaft in Programmen wie e5, Klimabündnis und Konvent der Bürgermeister sowie zahlreichen nationalen und internationalen Projekten konnten bereits wesentliche Fortschritte erzielt werden, etwa beim Ausbau erneuerbarer Fernwärme, der Dekarbonisierung kommunaler Gebäude oder der effizienten Straßenbeleuchtung. Trotz dieser Erfolge steht Judenburg vor neuen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, steigenden Energie- und Ressourcenanforderungen sowie zunehmenden Klimaextremen. Um die bisherige Vorreiterrolle zu sichern und den Weg zur Klimaneutralität systematisch weiterzugehen, war eine integrierte, langfristige Gesamtstrategie erforderlich.

b. Projekt-Inhalte und Zielsetzungen

Ziel des Projekts war die Erarbeitung eines integrierten, umsetzungsorientierten und politisch verankerten Klimaneutralitätsfahrplans für Judenburg mit dem Zielhorizont 2040. Der Fahrplan bündelt bestehende Strategien und Konzepte, ergänzt diese um neue Themenfelder wie Kreislaufwirtschaft, Klimawandelanpassung und erstmals auch den Industriesektor und übersetzt übergeordnete Klima- und Energieziele in konkrete kommunale Handlungsfelder. Der Klimaneutralitätsfahrplan soll als zentrales Steuerungsinstrument für Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft dienen und die Umsetzung der Klimaneutralität langfristig absichern.

c. Vorgehensweise / Bearbeitung

Die Erarbeitung des Klimaneutralitätsfahrplans erfolgte 2024–2025 im Rahmen einer F&E-Dienstleistung der Mission „Klimaneutrale Stadt“ in einem strukturierten, mehrstufigen Prozess. Zentrale Elemente waren die systematische Analyse bestehender Grundlagen, die Aktualisierung der Energie- und Treibhausgasbilanz für das Bilanzjahr 2023 nach den Standards des Konvents der Bürgermeister sowie die strukturierte Ableitung von Zielen und Maßnahmen entlang der Handlungsfelder des e5-Programms. Der Prozess wurde durch einen intensiven Beteiligungs- und Abstimmungsprozess begleitet, insbesondere über das städtische e5-Team, politische Gremien sowie einen Visions- und Planungsworkshop. Dadurch konnte eine enge Verzahnung mit bestehenden Verwaltungsstrukturen und Entscheidungsprozessen sichergestellt werden.

d. Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Zentrales Ergebnis ist der Klimaneutralitätsfahrplan Judenburg 2040 als integrierte Gesamtstrategie mit klaren Zielpfaden, priorisierten Maßnahmen und einer Umsetzungslogik. Die aktualisierte Treibhausgasbilanz zeigt, dass im Jahr 2023 rund 53.000 Tonnen CO2-Äquivalente im Stadtgebiet verursacht wurden, wobei der Verkehrssektor den größten Anteil aufweist. Gleichzeitig belegt die Analyse deutliche Emissionsreduktionen seit 1990, insbesondere im Bereich kommunaler Gebäude und der Wärmeversorgung. Mit dem politisch beschlossenen Energieleitbild 2030, konkreten Maßnahmenprogrammen in sieben Handlungsfeldern sowie einer gestärkten Governance-Struktur schafft der Fahrplan die Grundlage für eine wirksame Umsetzung. Die Schlussfolgerung des Projekts ist, dass Klimaneutralität nur durch ein langfristiges, integriertes und lernendes Steuerungsinstrument erreichbar ist, das regelmäßig überprüft und weiterentwickelt wird.

e. Ausblick

Der Klimaneutralitätsfahrplan soll in den kommenden Jahren schrittweise in die laufenden Planungs-, Budget- und Controllingprozesse der Stadt integriert werden. Geplant sind ein formaler Gemeinderatsbeschluss, der Aufbau einer zentralen Koordinationsstelle sowie der Start erster priorisierter Maßnahmen ab 2026. Begleitend sollen Monitoring, Datenqualität und Beteiligungsformate weiter gestärkt werden. Forschung und Innovation bleiben wichtige Bausteine, insbesondere für Pilotprojekte und neue Lösungsansätze, müssen jedoch durch geeignete finanzielle, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen ergänzt werden. So kann Judenburg seinen Weg zur Klimaneutralität konsequent fortsetzen und langfristig Lebensqualität, Standortattraktivität und regionale Wertschöpfung sichern.