#UnitedAgainstHate

Gemeinsame zivilcouragierte Online Aktionen Jugendlicher gegen Hate Speech und Cyberbullying

Programm / Ausschreibung KIRAS, F&E-Dienstleistungen, KIRAS F&E-Dienstleistungen 2018 Status laufend
Projektstart 01.01.2020 Projektende 31.12.2021
Zeitraum 2020 - 2021 Projektlaufzeit 24 Monate
Keywords Online Zivilcourage; Online Aktivismus; Online-Bystander; Cyberbullying; Hatespeech

Projektbeschreibung

Jugendliche sind als intensive Internetnutzer*innen zunehmend mit Cyberbullying, Hate Speech und anderen Formen digitaler Gewalt in einem weitgehend unkontrollierten virtuellen Umfeld konfrontiert. Das stellt sie vor die Aufgabe, sowohl einen Umgang mit negativen Inhalten zu finden als auch aktiv und zivilcouragiert gegen solche Inhalte aufzutreten. Jüngste Studien des Projektteams zeigen allerdings, dass sich Jugendliche hier machtlos fühlen, da sie zivilcouragiertes Engagement mit der Vorstellung verbinden, alleine mit aus ihrer Sicht wenig wirksamen Mitteln (wie z.B. Melden, Blockieren, Kommentieren) vorgehen zu müssen. Die Möglichkeit, andere Internet-Nutzer*innen zur Unterstützung zu mobilisieren, wird von Jugendlichen weder angestrebt noch als besonders erfolgversprechend eingeschätzt, was gerade im Hinblick auf die Vielzahl an sozialen Bewegungen und anderen Formen des Online Aktivismus im Internet überraschend ist.

Das Projektvorhaben setzt sich daher zum Ziel, zu untersuchen, wie Online Mobilisierungs- und Vernetzungsstrategien genutzt werden können, um ein jugendgerechtes, gemeinsames zivilcouragiertes Auftreten im Internet im Umgang mit wahrgenommener digitaler Gewalt zu gestalten und zu fördern. Dabei wird sowohl (1) ein allgemeines Eintreten gegen solche negativen Inhalte durch Partizipation an Online Initiativen berücksichtigt als auch (2) zivilcouragiertes Handeln im konkreten Anlassfall, um das eigene Engagement durch die Unterstützung anderer zu stärken. Das Projektvorhaben nimmt Online Aktivismus gegen Hate Speech und Cyberbullying als Chance wahr, den (emotionalen) Zusammenhalt engagierter Jugendlicher zu stärken, Einzelne durch ein Netzwerk im Hintergrund zu unterstützen, und zivilcouragierte Online Interventionen als vielfältige, kreative Ausdrucksformen (z.B. Memes, GIFs, Emojis, Blogs) zu betrachten und damit mehr als das bloße Melden von Inhalten zu animieren. Gerade darin sehen die Antragsteller*innen hohes Potenzial, die Attraktivität von Online Zivilcourage unter Jugendlichen insgesamt zu steigern.

Die methodische Umsetzung erfolgt mittels Gruppendiskussionen und einer quantitativen Online Erhebung mit dem Ziel, das Spektrum der Erfahrungen Jugendlicher (14-18 Jahre) mit Online Aktivismus zu unterschiedlichsten Themen und Anliegen zu erfassen und dabei grundlegende Mechanismen der Mobilisierung und Vernetzung, aber auch Motive der Partizipation und des Zusammenhalts zu entschlüsseln, sowie Hinweise auf jene Faktoren zu gewinnen, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Jugendliche an Online Aktivismus im Vorgehen gegen Hate Speech und Cyberbullying partizipieren. Anschließend werden mit Methoden der Aktionsforschung die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit Jugendlichen sowie mit Unterstützung der im Projekt beteiligten Praxispartner*innen aus den Bereichen (Online) Zivilcourage, Kampagnen gegen Online Hass, sowie Jugend und digitale Medien, an die besonderen Anforderungen im Umgang mit digitaler Gewalt angepasst und in einer von Jugendlichen umgesetzten Online Peer-to-Peer Plattform erprobt und präsentiert. Aus der Summe an gewonnenen Erkenntnissen werden schließlich praxisnahe Schulungs- und Trainingskonzepte sowie Informationsangebote entwickelt, um gemeinsame zivilcouragierte Online Aktionen gegen Hate Speech und Cyberbullying gezielt unter Jugendlichen zu fördern.

Abstract

As intensive internet users, young people are increasingly confronted with cyberbullying, hate speech and other forms of digital violence in a widely uncontrolled virtual setting. They are compelled to develop ways to deal with negative content and to stand up against such content in a morally courageous way. However, recent studies carried out by the applicants indicate that young people feel powerless as they are convinced that morally courageous engagement is based on means they consider ineffective, like reporting, blocking or commenting. Mobilizing other internet users for support is considered as neither desirable nor promising. This is surprising, in particular with regard to the great number of social movements and other forms of online activism on the internet.

The proposed project aims at investigating how online strategies for mobilization and interconnection can be used in order to develop and encourage youth-adequate morally courageous web demeanor related to perceived digital violence. The project includes both (1) general advocacy against negative content by participating in online initiatives and (2) morally courageous actions related to concrete incidents, in order to strengthen individual engagement by supporting others. The planned study considers online activism against hate speech and cyberbullying as a chance to strengthen the (emotional) cohesion of committed young people and to support individuals by providing a background network, regarding morally courageous online interventions as multifaceted creative forms of expression (e.g. memes, GIFs, emojis, blogs), and thereby, encouraging more than simple reporting. Such an approach contains considerable potential for increasing the attractiveness of online moral courage among young people.

The methodic approach includes focus group discussions and a quantitative online survey, aiming at capturing young people’s (aged 14-18 years) experiences with online activism on diverse issues and concerns, identifying basic mechanisms of mobilization and interconnection, as well as motives for participation and solidarity. Furthermore, we will identify key factors that increase the likelihood of young people’s participation in online activism against hate speech and cyberbullying. The obtained results will provide the basis for a participative action research approach in order to adapt them that to the special requirements in dealing with digital violence. This will be conducted by young people in cooperation with the research team and supported by the project partners in the areas of (online) moral courage, campaigning against online hate, youth and digital media. Findings will be presented and evaluated by means of an online peer-to-peer platform implemented by young people. All obtained results will culminate in the development of practical training concepts and information resources with the aim of promoting joint morally courageous online actions against hate speech and cyberbullying among young people.